Kraftobjekte aus Ein-Euro-Läden

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Aus im Knast hergestellten Keramikfiguren Spiritualität und Freude zu schöpfen, ist
eine der großen Herausforderungen unserer Zeit.

Nach der Bundestagswahl und meinem offensichtlichem Versagen als Influenzerin stand hier erst einmal schonungslose Selbstkritik & der Rückzug ins Private an. Die Yacht lag vor Madagaskar, der Blog lag auf Eis. Die Leserschaft hatte das Nachsehen.

Schon länger hatte allerdings eine Geschäftsidee in mir gegärt, die sich zunächst in losen Traumgesichten angedeutet und später auf weiteren Fantasiereisen mehr oder weniger konsolidiert hatte; bis ich schließlich nach sechs, sieben Nächten einen tadellosen Businessplan beisammen hatte.
Sicherlich wäre es reizvoll, das ganze Konzept mit seinen teilweise unlogischen, oftmals kafkaesken Wendungen und seiner an Freud und C. G. Jung gemahnenden Symbolik hier vollständig wiederzugeben. Jedoch würde das wohl den Rahmen sprengen.* Kurz gesagt ging es darum, Keramik- oder Salzteigfiguren aus der Dekoabteilung von Ein-Euro-Läden aufzukaufen, zu Hause zu oden** und dann auf Etsy oder Astrolantis weiterzuverkaufen.

Businesskonzept, Titel und Idee standen also. Allein, der Zwang zum Handeln wollte sich nicht einstellen. Blockaden blockierten den Weg, ständig störten störrische Störche, und ein Student mit Stulpenstiefeln stieß an einen spitzen Stein.

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Obwohl dieses Objekt schon einmal auf Facebook gepostet wurde, hat es nichts von seiner
auratischen Kraft eingebüßt.

An dieser Situation hat sich bis heute wenig geändert.
Vor mir steht der Prototyp eines geodeten Kresseigels. Sein unbestreitbarer Charme zieht in konzentrischen Kreisen über den Schreibtisch. Immer wieder kommt es dadurch zu kleineren Bildstörungen am Computer. Kein Zweifel: Das Konzept funktioniert.

Jedoch hat dies bisher keinerlei Eigeninitiative auf meiner Seite zur Folge gehabt. Weitere Schritte zum Start des Start-ups wurden bislang nicht vorgenommen. Das Sensualistische Spüren® nach Bohrmann-Weber konnte nicht in Aktivistisches Agieren® nach Widder-Neuenstein überführt werden. Fast scheint es, als sei sämtliche Kraft der potenziellen Gründerin in ihre potenziellen Produkte übergegangen.

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Bei diesem offenen Ende möchte ich es heute, auch aus Zeitgründen, einmal belassen. Ein Schluss, der zum Nachdenken einladen will!

Gute Nacht.

Eure Ursulinskaja

*Ein kurzer Auszug soll hier genügen: “Zweifelsohne gibt es Lücken in der Realität, wo gerade mal kurz keiner hinschaut und deswegen allerhand möglich ist. Kraftobjekte aus Ein-Euro-Läden können diese Lücken schließen. (…) Handgeodete Talismane helfen gegen Faschismus und Klimawandel. Sie spenden Freude und Glück. Denn gerade an das Hässliche wird man sich gewöhnen müssen, und einst wird daraus wie aus eines Rumpfs verengtem Schacht eine neue Welt geboren werden, die der unsrigen in nichts nachsteht. (…) Und sind die Schmetterlinge erst einmal verschwunden, so bleiben noch die Stinkwurzkäfer, denn diese sind robust gebaut und können zur Not auch als Modems verwendet werden. ALLERDINGS: Erst wenn der letzte Stinkwurzkäfer in ein Modem verwandelt ist, werdet ihr erkennen, dass man Nullen und Einsen nicht essen kann!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!” Usw. usf.
*Die Odung ist eine Technik zur Herstellung von Talismanen mithilfe eines Tauchsieders. Nähere Informationen dazu finden sich auf einem Flugblatt, das mein Mann leider verlegt hat.
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Sondersendung zur Wahl

suddeutschlandreise-020Ein Bild, das ich immer mal irgendwo unterbringen wollte. Ob es hierher passt?

Zurzeit fragen mich natürlich immer alle, was sie wählen sollen. Ist ja klar. Dabei ist fürs Politische bei Ursulinskaja eigentlich der Visagist von Richard Clayderman zuständig, und der ist zurzeit leider auf Tour.
Fühle mich also etwas überfordert. Ich kenne mich ja mit kritischer Theorie, G-W-G’ usw. nicht besonders gut aus.
Trotzdem habe ich natürlich manchmal politische Träume. Denn auch ein falsches Bewusstsein kann im Schlaf erweitert werden, wusstet ihr das? Also, neulich bei mir im Traum passierte ungefähr Folgendes:

Angela Merkel war bei uns zu Hause. Sie hatte dort einen Termin für ein Interview mit dem Deutschlandfunk. Natürlich war es nicht unsere richtige Wohnung, sondern eine Art Behindertenwohnheim oder Rehazentrum aus den Achtzigern, ein lichtdurchfluteter Neubau mit einer Galerie und einer langen Wendeltreppe aus hellem Holz. Ich selbst saß auf einer der unteren Stufen der Treppe und linste um die Ecke in den Raum, wo Merkel das Gespräch hatte. Sie sah mich, fand es aber glaub nicht weiter schlimm.

Angela Merkel war ungefähr so, wie man sie sich gemeinhin vorstellt – die Frisur so wie auf Bildern, ihr berühmter Humor und alles.
Während ich da saß, fiel mir ein, dass ich eigentlich ein Bild von ihr machen könnte. Dann erinnerte ich mich, dass meine Kamera kaputt ist und ich sie unbedingt in die Reparatur geben muss. Allerdings lohnt sich das wahrscheinlich gar nicht mehr, weil es zu teuer wird, weshalb ich das Ganze schon eine Weile herauszögere. (Meine analoge Kamera konnte ich damals auch direkt wegschmeißen, als der Auslöser kaputt war.*) Ich hab zwar noch eine alte Knipse, aber da ist die Batterie leer.

All diese Gedanken huschten in Windeseile durch meinen kleinen Kopf, während ich auf der Treppe saß, nur wenige Meter von einer Art vibrierendem schwarzen Kraftzentrum enfernt. Jetzt, wo ich das aufschreibe, fällt mir dazu das Lied “Halfway down the stairs” ein, das Kermits kleiner Neffe Robin in der Muppetshow singt, und mir wird ganz warm ums Herz.

Auf Initiative eines meiner Mitbewohner entstand dann aber doch noch ein Gruppenbild mit allen – mit Merkel, mir und meiner Wohngruppe, oder wer auch immer diese ganzen Leute waren. Wir standen Arm in Arm wie eine Fußballmannschaft, ich links außen, Merkel am anderen Ende. Das liest sich jetzt, wo ich es aufschreibe, viel politischer, als es in Wirklichkeit war. Allerdings wurmte es mich ein bisschen, dass ich vielleicht zu weit weg von Merkel stand, um überhaupt noch mit ihr zusammen aufs Bild zu passen. In Gedanken verglich ich das Foto mit einem Selfi, den ein Klassenkamerad (der im Dunstkreis der Macht arbeitet) mir mal gezeigt hat und auf dem er viel näher an ihr dransteht.

Dann beugte Merkel ihren Kopf ein bisschen nach vorne, um mich am anderen Ende der Reihe sehen zu können, und versprach mir, sich persönlich für das bedingungslose Grundeinkommen einzusetzen, falls sie nochmal Kanzlerin wird. Finanzieren will sie es aus einer Mischung aus Strafzahlungen der Autoindustrie, verringerten Militärausgaben, einer Reichensteuer, der Schließung von Kohlekraftwerken und noch irgendwas, das ich vergessen habe – ich glaube, den Synergieeffekten, die entstehen, wenn sie das Flüchtlingsabkommen mit der Türkei aufkündigt.
Dann verwandelte sie sich in eine Krötenwanderung, die von vielen kleinen Kindern eingesammelt, in kleine Eimerchen gepackt und eifrig auf die andere Straßenseite hinübergetragen wurde.
Und so endete mein Traum von Angela Merkel.

Vielleicht konnte ich noch Unentschlossenen damit ja ein paar Anregungen geben, wer weiß? Wobei für geträumte Inhalte nicht immer die geträumten Parteien verantwortlich sein müssen. (Oder müsste es heißen: Wobei für geträumte Inhalte allein die geträumten Parteien verantwortlich sind? Hä …? Haben wir einen Juristen im Haus?)

Ich selbst orientiere mich ja meistens an dem, was ein Motz-Verkäufer mal vor einer Wahl in der U-Bahn empfohlen hat:
“Liebe Leute, bitte wählt nicht die CDU. Auch nicht die FDP, die AFD oder die SPD. Vielen Dank.”

Eure Ursulinskaja

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Bonusbild.

 

*Nachtrag: In echt jetzt habe ich meine Kamera inzwischen zum Fotoladen gebracht zwecks Kostenvoranschlag für Reparatur und Reinigung. Sie wollen 408 Euro dafür. 408 Euro.

 

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Pilze sammeln

Aus Ursulinskajas Archiv, ca. 1999.

Das Wort, das meiner Meinung nach am besten zu „sammeln“ passt, ist „Pilze“.

Pilze sind die wohl willkürlichsten, unberechenbarsten Knubbel auf Stelzen, die je ein Wald hervorgebracht hat. Man könnte etwas grob und denkfaul auch sagen: Pilze sind die Katzen des Waldes. Aber das stimmt nicht, denn Pilze gebärden sich noch weitaus zickiger und mysteriöser. Irgendwo zwischen Pflanze und Tier angesiedelt, stellen sie sich dem Wanderer plötzlich ungefragt in den Weg und stellen die Frage: „Wer bin ich?”
Ich kenne mich zwar nicht besonders gut aus mit Pilzen, aber ich sammle sie für mein Leben gern.

Dabei geht es durchaus auch um den Aspekt des Angebens hinterher. Ich hatte einmal den Plan, ein umfangreiches Pilzwitzebuch zu schreiben. Der Prototyp des Pilzwitzes ging dabei so: Sagt ein Pilzsammler zum anderen: „Ich hab neulich einen Pilz gefunden, der war so groß, ich hab meinen Pilzkorbdeckel nicht mehr zugekriegt!”
Sagt der andere: „Ach was! So einen kleinen Pilzkorb hatte ich auch mal.”
Diese Form wird, geringfügig variiert, ungefähr 100 Witze hindurch streng durchgehalten, so wollte es das Konzept.

Eigentlich geht es aber gar nicht um die Größe von Pilzen. Es geht um Intuition. Es geht darum, dass sie dich finden. Ein Pilz zeigt sich einfach nicht jedem. In Südtirol hatte ich als Kind mal die Eingebung, aus heiterem Himmel zu behaupten: „Da drüben stehen haufenweise Pilze.” Weit und breit war nichts zu sehen als dichtester Tannenwald. Ich kämpfte mich durch das Dickicht. Dahinter öffnete sich eine kleine Lichtung, die über und über mit Pfifferlingen bewachsen war.

Bei unseren Südtiroler Wirten hatten die italienischen Gäste damals einen schlechten Ruf, weil sie nicht wanderten, sondern den lieben langen Tag nur Pilze sammelten. Auf dem Balkon unter unserer Ferienwohnung lagen abends immer Legionen von Pilzen zum Trocknen aufgereiht. Oft war ich während unserer zwölfstündigen Wanderungen neidisch auf die faulen Italiener, die zu Hause bleiben und Pilze sammeln durften.

“Sammeln” hat für mich seither einen weichen Klang, wie Muße, wie sich faul auf dem Balkon räkeln. Wie ein weicher, elastischer Pilz. Sammeln ist das Gegenteil von weinroten Kniebundhosen.

 

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Der Pilz und sein Unterbewusstsein. Aus: Pilze. Schriftenreihe “Richtige Ernährung” Nr. 16. Grafik: Hedy von Riesen-Zeiler, Walldorf bei Frankfurt/Main.

 

 

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One year ago. Ein Jahr wie eine Ewigkeit …

… dröhnt es aus den Lautsprechertürmen in den Messehallen des ICC. Falco, Jeanny, Part 2. Die Halle ist zum Bersten gefüllt. Glücklich kann sich schätzen, wer noch einen Platz vor der Außenleinwand ergattern konnte – übrigens bei strömendem Regen. Einen solchen Andrang hat das ICC wohl zum letzten Mal beim Auftritt des Meditationsmusikers Hans-Jürgen Hufeisen erlebt (Kirchentag, 1987). Heute allerdings wird hier nicht Blockflöte gespielt. Heute knallen die Korken, dass die Fetzen fliegen!

Ursulinskaja wird ein Jahr alt, und das bedeutet: Partytime!

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Gäste, die sich  online zugeschaltet haben, können sich hier gerne mit einem virtuellen Getränk bedienen.

Auch abgesehen von Falco, der leider nicht selbst performen kann, liest sich die Gästeliste wie ein Who’s who der letzten Seiten der “InTouch”. Gleich im Eingang stolpert man fast über Ben Becker* mit Sohn Noah. Innen haben sich Cem Özdemir (“Ha, jetzt kann i gar nemme …”) und Günther Oettinger (“Nur das Beschde zum Feschde!”) erfolgreich durch die Absperrung gedrängelt und überschlagen sich jetzt mit Versuchen, bei Ursulinskaja für den Standort Baden-Württemberg zu werben. Ein leicht durschschaubares Manöver, geht es hier schließlich um Steuereinnahmen in Millionenhöhe.

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Schnursula (Korrektorat und Mode) mischte sich unauffällig unter die
Gratulanten.**

Winfried Kretschmann (eigens angereist für den David-Lynch-Doppelgänger-Contest) versucht es mit einem beherzten: “Sodele! Jetzetle!”. Eine Anspielung auf Ursulinskajas ersten Post, der genau heute vor einem Jahr hier live ging. Berlins Partybürgermeister a. D. riecht den Braten und funkt geistesgegenwärtig  dazwischen, indem er sein neues Lieblingspalindrom zum Besten gibt: “Wowereits Stiere! Wow!”

In dem ganzen Getümmel bleibt der eigentliche “Star” des Abends fast unbemerkt: die loungige Sitzlandschaft, die Uschy von der Basteleyen eigenhändig modelliert und bei 180° C Umluft im Küchenherd gebacken hat. “Du brauchst dazu nur Fimo, Ausstecherförmchen und einen konventionellen Backofen mit Materialmultiplikator,” erklärt die DIY-Künstlerin dem interessierten Jimi Blue Ochsenknecht. Ebenfalls von Uschy: der Schriftzug “Ursulinskaja” in Form einer Lavalamp aus Makramee, die den ganzen Saal überspannt wie ein oszillierendes Peacezeichen. Man muss es mit eigenen Augen gesehen haben, sonst erschließt es sich einem nicht auf Anhieb.

Aber dazu müsste man erst mal hier reinkommen. Und das ist ohne Einladung leider fast unmöglich. Die Schwarzmarktkosten für die Einladungskarten sind in den letzten Tagen explodiert. Trotzdem geben Sabrina Setlur und Co. sie nur ungern wieder her: Lieber tanzen sie selbst ausgelassen zu den Beats von DJ Bobo und Marusha. Neben Adriano Celentano und Felix Mendelssohn legen der Schweizer “King of Dance” und die Technoqueen vor allem Shevalreqv auf.  “Zambardo’s Bridge” wird der Hit des Abends – übrigens der Geheimtipp eines Lesers! ♥♥♥

Für unsere Gäste aus dem Internet hier ein paar weitere Impressionen & Highlights des Abends:

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Günter Grass, gelegentlich als Ghostwriter für Ursulinskaja
tätig, sendete Glückwünsche aus dem Off.
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Auch Kanzlerin Angela Merkel ließ es sich nicht nehmen, noch
einmal die wichtigsten Punkte ihres Wahlprogramms zu erläutern.

 

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Von Tag eins an Teil des Teams: der Visagist von Richard Clayderman.

 

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Tolle Überraschung zum Schluss: ein spontaner Auftritt der Melvins.

Und dann klingt Punkt 19:30 Uhr – viel zu früh, wie einige finden – ein Abend aus, der doch scheinbar gerade erst begonnen hat. Aber so ist es nun mal: Ursulinskajas Tochter muss ins Bett. Pech! Etwas mürrisch verlassen die letzten Gäste das ICC.

Und die Gratulantin? Bedauert sie das frühe Ende der Party?
Ursulinskaja lacht: “I wo! Das bringt die Mehrfachbelastung als Steuerberaterin, Motivational Speakerin, Traumarbeiterin, Flechtwerkgestalterin (FH), Bloggerin, Vloggerin, Rockerin und Mutter (plus mein Ehrenamt für die Einführung einer Professur gegen Gentechnik) halt so mit sich.
Aber ich frage Sie: Gibt es etwas Schöneres als den dankbaren Blick aus Kinderaugen, wenn die Zwerge nach dem Eisessen diese lustig schokoladenverschmierten Mäulchen haben …?! Na eben!” Dann schließt sich hinter ihr in die riesige schwarze Kiste, in der sie wenig später von vier Bodyguards zur Ringbahn getragen wird.

Aufgezeichnet von Ursi und Ulla (KÄPSELE SUPERIOR™).

 

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Der Nachwuchs steht schon in den Startlöchern: Auch Ursulinskajas
Tochter interessiert sich bereits fürs Paranormale.

 

 

* Den Schauspieler, nicht den Science-Fiction-Autor.

** Dr. Gertrud Oheim: Das praktische Handarbeitsbuch. Gütersloh, 1961, 1965. S. 61.

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Alternative Mathematik

Eine Umfrage unter meinen Lesern hat ergeben, dass sie sich speziell für mathematisch-naturwissenschaftliche Themen interessieren. Und zwar besonders dann, wenn sie poppig aufbereitet sind und einen ordentlichen Schuss Intuition, Mystik und Fantasy enthalten.

Hier eine Auswahl der besten Fragen zum Thema Mathematik & Logik, wie sie zurzeit körbeweise bei mir eingehen, plus die entsprechenden Antworten.

Wieso schneiden sich eigentlich zwei Parallelen in der Unendlichkeit? Hä …?

Die Frage ist berechtigt. Zwei Parallelen können sich eigentlich überhaupt nicht schneiden. Als Parallelen fehlt ihnen dafür eine gewisse Biegung, oder Zuneigung zueinander, oder wie man sagen soll.
Aber: In der Unendlichkleit können sie es halt doch. Warum?
Antwort: In der Unendlichkeit passiert so viel, das wir uns mit unserem endlichen Verstand nicht vorstellen können. Ich nenne ein Beispiel: Das Weltall ist unendlich groß. Können wir es uns vorstellen? Nein. Dies eröffnet aber der Fantasy unglaublich viel Raum. So entstanden z. B. die Ideen von E. T., Marsmenschen, extraterrestrischem Leben,  Aliens etc.*
Und hier haben wir jetzt eine Parallele zu den Parallelen. Wenn sich zwei Striche hier, in dieser Welt, nicht treffen, heißt das eben noch lange nicht, dass sie es nicht irgendwann tun können: zum Beispiel in der Unendlichkeit.

Vor dem Einschlafen verdopple ich manchmal Zahlen. Irgendwann komme ich zu 4096. Von da ab finde ich es schwierig, weiterzurechnen.

Ja, ich weiß. Geht aber. Du rechnest erst 2 x 4, speicherst dir im Hinterkopf die 8. Es muss mit 8 anfangen zum Schluss. Dann nimmst du 96 mal zwei. Hier kannst du entweder einen Zettel zur Hilfe nehmmen, oder du merkst es dir im Kopf (nicht die 8 vergessen in der Zwischenzeit!). Gehe dabei von hinten vor, wie in der Schule, mit “behalte 1” etc., und dann einfach zusammenrechnen: 18, 12 und 1, plus 8 (vorne):
831.

Achtung, Update: Die Zahl muss 8192 heißen. Vielen Dank für den Hinweis, Herr Sahnwaldt! Ich muss zugeben, die Sache kam mir gleich seltsam vor. Toll, diese interaktiven Medien!

Stimmt es, dass Barbiere sich gar nicht selbst rasieren können? Und wieso eigentlich nicht?

Die Frage bezieht sich auf das berühmte Barbier-Paradoxon aus dem “Barbier von Sevilla”. In dieser Oper geht es darum, dass ein Barbier sich nicht selbst rasieren will, weil er nur Leute rasieren will, die sich nicht selbst rasieren. Und zwar alle. “Soll ich mich also jetzt selbst rasieren, oder lieber doch nicht?” Das ist eine Frage, die ihn die ganze Oper über umtreibt und schließlich zermürbt. Er kann sie nicht beantworten. Seine Frau beginnt inzwischen, ihr eigenes Bier zu brauen, um für den Verdienstausfall aufzukommen, und macht eine kleine Bar auf. Derweil wird sein Bart immer länger, und es kommt zu allerlei Verwicklungen. Die Musik ist von Isabella Rossellini, der Tochter von Ingmar Bergman und Ingeborg Bachmann.

Hast du eigentlich schon mal ein dreidimensionales Fraktal vom Computer abgefilmt?

Ja. Das möchte ich allerdings gerne in meinem Fantrailer für die aktuelle Staffel von Twin Peaks verwenden, und der ist leider noch nicht ganz fertig (wir sprachen bereits darüber). Ich bitte also noch um einen Moment Geduld. Die neue Staffel soll bald vorbei sein, und dann ist sicher auch der Kairos** für meinen kleinen Trailer ❤ gekommen.

So, aber jetzt heißt’s erst mal nighty-night, den Kopf nochmal bisschen auskühlen lassen und dann ab in die Heia.

Eure Ursulinskaja

PS: Bock auf mehr Mathe? Hier geht es zu den Exakten Geheimnissen.

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Mystik & Mathematik sind wie Schwestern – wie Yin und Yang, Tina und Tini oder die Andrews Sisters.

 

* Warum die sich alle so ähnlich sehen, weiß ich jetzt auch nicht. Im unendlichen Raum wäre m. E. noch Platz für mehr Vielfalt.
** Karl-Theodor zu Guttenberg: Verfassung und Verfassungsvertrag. Konstitutionelle Entwicklungsstufen in den USA und der EU. Berlin, 2009. Vorwort.
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Hackfleischbrot und dufte Leute

An manchen Tagen ist es nicht leicht, der vibrierende Mittelpunkt einer vor Vitalität nur so strotzenden Berliner Bloggerszene zu sein. Manchmal möchte Ursulinskaja einfach nur sie selbst sein: völlig inkognito durch die einschlägigen Szeneviertel schlendern, hier einen Batida de Côco trinken, sich dort einen Hawaiitoast hinter die Kiemen schieben. Unbehelligt von Fans, Paparazzi oder Undercover-Journalisten der Zitty.

Zum Glück gibt es die Hawaii Toasteraii in Lankwitz. In diesem weithin unterschätzten Berliner Stadtteil entsteht zurzeit, beinahe unbemerkt vom Rest der Stadt, eine enorm pulsierende Cooking-Szene. Man weiß noch nicht genau, in welche Richtung es gehen soll, was sich da zusammenbraut, aber eins ist schon mal sicher: Es könnte das nächste große Ding werden. Makler nennen Lankwitz bereits das neue Steglitz.*

Anders als in vergleichbaren Etablissments in Mitte schlachtet der Wirt hier nicht selbst. Die Karte verzichtet fast vollständig auf Grünkohl. Unter dem Scheiblettenkäse findet sich weder Hirschleberragout noch Gänseblümchensalat, auch Erdmandelkompott ist Fehlanzeige. Stattdessen bekommt man auf Anfrage auch schon mal Hackfleischbrot mit Schmelzkäseecken gereicht (im Unterschied zum Hackepeterbrötchen ist das Hackfleisch beim Hackfleischbrot überbacken). Sehr lecker. Dazu empfiehlt mir der Wirt ein Glas Eckes Edelkirsch “plus”: Der beliebte Kirschlikör wird hier mit einem Mon Chéri geliefert, das man am Glasrand wie ein Ei aufschlägt und, nachdem man den Inhalt ins Glas geleert hat, sanft hineinplumpsen lässt.

Auch sonst lässt die angenehme Atmosphäre in der Toasteraii keinerlei Wünsche offen. Gedämpftes Licht wabert aus allen Ecken. Verhaltenes Mampfen erfüllt die fast bis zum Bersten mit Nostalgie geschwängerte Luft. Weit weg scheint der Wahnwitz der Weltbühne. (Den letzten Satz notiere ich mir hastig auf den Rand eines der vergilbten Tagesspiegel, die hier überall herumliegen. Wer weiß, wofür ich ihn später verwenden kann … zum Beispiel in diesem Text?!) Gierig sauge ich die entspannte Stimmung in mich auf. Dazu passt, dass im Radio gerade “Bist du ein Freund von der Einsamkeit” läuft. Ein Lied, das seine melancholische Wirkung auf mich noch nie verfehlt hat. Es stammt von der zweiten Scheibe der Band Strumpfgewebe, “Wind of Change”,  und wird vollständig a cappella vorgetragen. Auf die Verwendung von Aufnahmetechnik wurde bei der Einspielung übrigens bewusst verzichtet, um den edgy Sound zu erzielen.

Verträumt summe ich mit. Text und Melodie kenne ich auswendig. Strumpfgewebe ist, wie die meisten meiner Leser wissen, ein kleines Seitenprojekt von Ursulinskaja, über das sie seit seinem Eintritt in die Charts leider vollständig die Kontrolle verloren hat.

Es passiert, was passieren musste. Schlagartig verstummen die Kaugeräusche der Anwesenden und hinterlassen eine Stille, wie man sie sonst nur aus den Schlecker-Filialen in Endzeitfilmen kennt. Ihr wisst schon: Die Menschheit ist komplett ausradiert, einzig der Fernseher mit der Schlecker-Werbung läuft noch …  (In den Filmen jetze.) Alle Blicke sind auf mich gerichtet.

“Sie müssen diese Ursulinskaja sein”, bricht schließlich ein Mitsechziger das unheimliche Schweigen. “Als Sie eben mitgesungen haben, gab es eine völlige Überlappung der Frequenzen, beziehungsweise: Es hat sich so angefühlt, als sänge eigentlich überhaupt niemand mehr, weil Sie genau dieselbe Stimmlage haben wie die Sängerin. Gestatten, Walter Kapulke. Ich bin Tontechniker, war früher oft mit Peter Maffay auf Tour.”
Wir stoßen mit unseren Eckes an. Langsam löst sich die beklemmende Stille. Gesprächsfetzen werden wieder aufgenommen, mehr oder weniger gekonnt werde ich ignoriert oder allenfalls noch aus den Augenwinkeln mit scheelen Blicken überzogen.

Trotzdem zahle ich bald überstürzt und steige in meinen Ferrari, der draußen schon mit laufendem Motor auf mich wartet. Ja, auch Lankwitz ist nicht mehr das, was es einmal war.

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PS: Das Déjà vu, das sich beim Lesen eventuell eingestellt hat, könnte mit diesem Post hier zu tun haben: Abgefahrene Story zum Jahreswechsel. Darin tauchen teilweise ähnliche Themen und Motive auf und werden auf ebenso kunstvolle und mysteriöse Weise sowohl untereinander als auch mit diesem Post hier verflochten. Checkt das aus. Beide Beiträge sollen einmal Teil eines größeren Labyrinths werden, in dem man sich total verlieren und verstricken kann – voller selbstreferenzieller Bezüge, versteckter Geheimnisse, Anmerkungen, Zitate etc. (Ein bisschen wie Paul Auster, nur nicht so verkopft.)

*Ja, ich weiß: Lankwitz ist ein Teil von Steglitz. Und ja, es verspult mich bei dem Gedanken genauso wie euch.
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Trockentäler

Kürzlich erreichte mich folgender Leserbrief:

Liebe Ursulinskaja!

Was ist eigentlich aus dem ehemaligen Motto deiner Seite geworden, “Alles muss raus”? Hier sollte doch ursprünglich mal so richtig krass abgebloggert werden. Leider geht ja inzwischen fast gar nichts mehr. Gerade Jugendliche wie ich verlieren dann aber leider ziemlich schnell das Interesse. Sorry 😦

LG
Dani M. (16)

Dani M. hat leider recht. Was ist nur aus dem Schreibfluss der ersten Tage geworden? Der anfangs sich wie im Rausch entladende und ständig neu aus sich selbst gebärende Bewusstseinsstrom, der nie abbrechen wollte, sondern nur so in die Schreibmaschine gehämmert werden wollte, dass die Fetzen flogen und es eine immerwährende Freude war – ihr erinnert euch vielleicht noch aus der ersten Zeit bei Ursulinskaja. Es war in der Zeit, als ich Dean traf, nicht lange, nachdem meine Frau und ich uns getrennt hatten. Damals hatte ich gerade eine schwere Krankheit hinter mir, über die ich hier nicht weiter reden will, außer dass sie etwas mit der elend lästigen Trennung zu tun hatte und meinem Gefühl, dass alles tot war. Mit Dean Moriarty begann der Teil meines Lebens, den man mein Leben unterwegs nennen könnte. Davor hatte ich oft davon geträumt, in den Westen zu gehen und mir das Land anzusehen, hatte vage Pläne geschmiedet und war nie losgekommen (hier überspringe ich ein paar Zeilen) … Denn die einzigen Menschen sind für mich die Verrückten, die verrückt sind aufs Leben, verrückt aufs Reden, verrückt auf Erlösung, voll Gier auf alles zugleich, die Leute, die niemals gähnen oder alltägliche Dinge sagen, sondern brennen, brennen, brennen wie phantastische gelbe funkensprühende Feuerwerksvulkane und wie Feuerräder unter den Sternen explodieren usw. usf.  – so ungefähr mein erster Eintrag bei Ursulinskaja, aber inzwischen passiert tatsächlich nur noch sehr wenig an Neuproduktion. Und auch das Frühwerk liegt größtenteils noch käsbleich in seinen Schubladen. Einige Texte stecken auch in Disketten fest und können erst am Jüngsten Tag gelesen werden, wenn alles plötzlich wieder miteinander kompatibel ist. Wie dem auch sei. “Alles muss raus” war jedenfalls nicht die Devise der letzten Zeit. Dafür gab es halt mehr Steuern, Esoterik und Lifestyle.

Also, liebe Dani, tut mir echt leid. Toll, dass du trotzdem drangeblieben bist! Und  alle anderen natürlich auch. Ich hoffe, ihr bleibt Ursulinskaja trotzdem treu. Und vielleicht reißen alle Dämme ja schon demnächst mal wieder bei eurer lieben

Ursulinskaja

PS: In diesem Text ist ein kleines Plagiat versteckt. Könnt ihr es finden?

bild ursula lucyuZwei der hier abgebildeten Figuren sind nicht von Ursulinskaja. Wer kann sie erkennen?

PPS: Jetzt rein ästhetisch hätte mir dieser Text auch gut gefallen ohne den Hinweis auf ein Plagiat. Aber dann hätten sich ein paar meiner Leser vielleicht Sorgen um mich gemacht (wegen der schweren Krankheit). Das wollte ich unbedingt vermeiden.

 

 

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