Hackfleischbrot und dufte Leute

An manchen Tagen ist es nicht leicht, der vibrierende Mittelpunkt einer vor Vitalität nur so strotzenden Berliner Bloggerszene zu sein. Manchmal möchte Ursulinskaja einfach nur sie selbst sein: völlig inkognito durch die einschlägigen Szeneviertel schlendern, hier einen Batida de Côco trinken, sich dort einen Hawaiitoast hinter die Kiemen schieben. Unbehelligt von Fans, Paparazzi oder Undercover-Journalisten der Zitty.

Zum Glück gibt es die Hawaii Toasteraii in Lankwitz. In diesem weithin unterschätzten Berliner Stadtteil entsteht zurzeit, beinahe unbemerkt vom Rest der Stadt, eine enorm pulsierende Cooking-Szene. Man weiß noch nicht genau, in welche Richtung es gehen soll, was sich da zusammenbraut, aber eins ist schon mal sicher: Es könnte das nächste große Ding werden. Makler nennen Lankwitz bereits das neue Steglitz.*

Anders als in vergleichbaren Etablissments in Mitte schlachtet der Wirt hier nicht selbst. Die Karte verzichtet fast vollständig auf Grünkohl. Unter dem Scheiblettenkäse findet sich weder Hirschleberragout noch Gänseblümchensalat, auch Erdmandelkompott ist Fehlanzeige. Stattdessen bekommt man auf Anfrage auch schon mal Hackfleischbrot mit Schmelzkäseecken gereicht (im Unterschied zum Hackepeterbrötchen ist das Hackfleisch beim Hackfleischbrot überbacken). Sehr lecker. Dazu empfiehlt mir der Wirt ein Glas Eckes Edelkirsch “plus”: Der beliebte Kirschlikör wird hier mit einem Mon Chéri geliefert, das man am Glasrand wie ein Ei aufschlägt und, nachdem man den Inhalt ins Glas geleert hat, sanft hineinplumpsen lässt.

Auch sonst lässt die angenehme Atmosphäre in der Toasteraii keinerlei Wünsche offen. Gedämpftes Licht wabert aus allen Ecken. Verhaltenes Mampfen erfüllt die fast bis zum Bersten mit Nostalgie geschwängerte Luft. Weit weg scheint der Wahnwitz der Weltbühne. (Den letzten Satz notiere ich mir hastig auf den Rand eines der vergilbten Tagesspiegel, die hier überall herumliegen. Wer weiß, wofür ich ihn später verwenden kann … zum Beispiel in diesem Text?!) Gierig sauge ich die entspannte Stimmung in mich auf. Dazu passt, dass im Radio gerade “Bist du ein Freund von der Einsamkeit” läuft. Ein Lied, das seine melancholische Wirkung auf mich noch nie verfehlt hat. Es stammt von der zweiten Scheibe der Band Strumpfgewebe, “Wind of Change”,  und wird vollständig a cappella vorgetragen. Auf die Verwendung von Aufnahmetechnik wurde bei der Einspielung übrigens bewusst verzichtet, um den edgy Sound zu erzielen.

Verträumt summe ich mit. Text und Melodie kenne ich auswendig. Strumpfgewebe ist, wie die meisten meiner Leser wissen, ein kleines Seitenprojekt von Ursulinskaja, über das sie seit seinem Eintritt in die Charts leider vollständig die Kontrolle verloren hat.

Es passiert, was passieren musste. Schlagartig verstummen die Kaugeräusche der Anwesenden und hinterlassen eine Stille, wie man sie sonst nur aus den Schlecker-Filialen in Endzeitfilmen kennt. Ihr wisst schon: Die Menschheit ist komplett ausradiert, einzig der Fernseher mit der Schlecker-Werbung läuft noch …  (In den Filmen jetze.) Alle Blicke sind auf mich gerichtet.

“Sie müssen diese Ursulinskaja sein”, bricht schließlich ein Mitsechziger das unheimliche Schweigen. “Als Sie eben mitgesungen haben, gab es eine völlige Überlappung der Frequenzen, beziehungsweise: Es hat sich so angefühlt, als sänge eigentlich überhaupt niemand mehr, weil Sie genau dieselbe Stimmlage haben wie die Sängerin. Gestatten, Walter Kapulke. Ich bin Tontechniker, war früher oft mit Peter Maffay auf Tour.”
Wir stoßen mit unseren Eckes an. Langsam löst sich die beklemmende Stille. Gesprächsfetzen werden wieder aufgenommen, mehr oder weniger gekonnt werde ich ignoriert oder allenfalls noch aus den Augenwinkeln mit scheelen Blicken überzogen.

Trotzdem zahle ich bald überstürzt und steige in meinen Ferrari, der draußen schon mit laufendem Motor auf mich wartet. Ja, auch Lankwitz ist nicht mehr das, was es einmal war.

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PS: Das Déjà vu, das sich beim Lesen eventuell eingestellt hat, könnte mit diesem Post hier zu tun haben: Abgefahrene Story zum Jahreswechsel. Darin tauchen teilweise ähnliche Themen und Motive auf und werden auf ebenso kunstvolle und mysteriöse Weise sowohl untereinander als auch mit diesem Post hier verflochten. Checkt das aus. Beide Beiträge sollen einmal Teil eines größeren Labyrinths werden, in dem man sich total verlieren und verstricken kann – voller selbstreferenzieller Bezüge, versteckter Geheimnisse, Anmerkungen, Zitate etc. (Ein bisschen wie Paul Auster, nur nicht so verkopft.)

*Ja, ich weiß: Lankwitz ist ein Teil von Steglitz. Und ja, es verspult mich bei dem Gedanken genauso wie euch.
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Trockentäler

Kürzlich erreichte mich folgender Leserbrief:

Liebe Ursulinskaja!

Was ist eigentlich aus dem ehemaligen Motto deiner Seite geworden, “Alles muss raus”? Hier sollte doch ursprünglich mal so richtig krass abgebloggert werden. Leider geht ja inzwischen fast gar nichts mehr. Gerade Jugendliche wie ich verlieren dann aber leider ziemlich schnell das Interesse. Sorry 😦

LG
Dani M. (16)

Dani M. hat leider recht. Was ist nur aus dem Schreibfluss der ersten Tage geworden? Der anfangs sich wie im Rausch entladende und ständig neu aus sich selbst gebärende Bewusstseinsstrom, der nie abbrechen wollte, sondern nur so in die Schreibmaschine gehämmert werden wollte, dass die Fetzen flogen und es eine immerwährende Freude war – ihr erinnert euch vielleicht noch aus der ersten Zeit bei Ursulinskaja. Es war in der Zeit, als ich Dean traf, nicht lange, nachdem meine Frau und ich uns getrennt hatten. Damals hatte ich gerade eine schwere Krankheit hinter mir, über die ich hier nicht weiter reden will, außer dass sie etwas mit der elend lästigen Trennung zu tun hatte und meinem Gefühl, dass alles tot war. Mit Dean Moriarty begann der Teil meines Lebens, den man mein Leben unterwegs nennen könnte. Davor hatte ich oft davon geträumt, in den Westen zu gehen und mir das Land anzusehen, hatte vage Pläne geschmiedet und war nie losgekommen (hier überspringe ich ein paar Zeilen) … Denn die einzigen Menschen sind für mich die Verrückten, die verrückt sind aufs Leben, verrückt aufs Reden, verrückt auf Erlösung, voll Gier auf alles zugleich, die Leute, die niemals gähnen oder alltägliche Dinge sagen, sondern brennen, brennen, brennen wie phantastische gelbe funkensprühende Feuerwerksvulkane und wie Feuerräder unter den Sternen explodieren usw. usf.  – so ungefähr mein erster Eintrag bei Ursulinskaja, aber inzwischen passiert tatsächlich nur noch sehr wenig an Neuproduktion. Und auch das Frühwerk liegt größtenteils noch käsbleich in seinen Schubladen. Einige Texte stecken auch in Disketten fest und können erst am Jüngsten Tag gelesen werden, wenn alles plötzlich wieder miteinander kompatibel ist. Wie dem auch sei. “Alles muss raus” war jedenfalls nicht die Devise der letzten Zeit. Dafür gab es halt mehr Steuern, Esoterik und Lifestyle.

Also, liebe Dani, tut mir echt leid. Toll, dass du trotzdem drangeblieben bist! Und  alle anderen natürlich auch. Ich hoffe, ihr bleibt Ursulinskaja trotzdem treu. Und vielleicht reißen alle Dämme ja schon demnächst mal wieder bei eurer lieben

Ursulinskaja

PS: In diesem Text ist 1 kleines Plagiat versteckt. Könnt ihr es finden?

bild ursula lucyuZwei der hier abgebildeten Figuren sind nicht von Ursulinskaja. Wer kann sie erkennen?

PPS: Jetzt rein von der Ästhetik her hätte mir dieser Text auch super gefallen ohne den Hinweis auf ein Plagiat. Aber dann hätten sich ein paar meiner Leser vielleicht Sorgen um mich gemacht (wegen der schweren Krankheit). Das wollte ich gerne vermeiden.

 

 

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Mein Beitrag zum Bachmannpreis 2017

Ich lese das erste Kapitel meines Romanes “Reggae, nein, nicht”. Um es etwas schwieriger zu machen, ist der Roman sowohl in der zweiten Person Plural als auch im Futur II verfasst.

1. Ihr

Ihr werdet durch das große, grün gestrichene Tor getreten sein und die feuchte Luft auf eurer fröstelnden Haut gespürt haben.
“Regen”, werdet ihr gesagt haben.
“Nein, nicht Regen”, werde ich geantwortet haben.
Oder ihr werdet zumindest glauben, dass ich das geantwortet haben werde. In Wirklichkeit werde ich etwas anderes gesagt haben. Eingeschnappt gewesen werdet ihr trotzdem sein.
“Sondern?”

Ihr werdet euren zarten Hals, markiert noch von der Bräune des Griechenlandurlaubs, tiefer in den Kragen eurer Lederjacke geschoben haben. Der Lederjacke, die ihr nur ein halbes Jahr zuvor in Paris gekauft haben werdet.
Paris, wo wir uns im letzten Herbst getroffen haben werden. Und wo wir uns doch nicht begegnet sein werden – wie ihr wenig später, bei einem Glas Rotwein auf den Champs-Élysées, bemerkt haben werdet.
“Ihr mögt Sprache”, werde ich damals, in  Paris, zu euch gesagt haben.
“Nein”, wird eure Antwort gewesen sein.Wir lieben Sprache.

Aber das wird jetzt, wo wir durch das grüne Tor getreten sein werden, schon ein halbes Jahr zurückgelegen sein.

Aber was ist Zeit?, werden wir uns beide gefragt haben und werden darüber gelacht haben, und geweint … Aber das wird früher gewesen sein, nämlich als wir am griechischen Strand gelegen haben werden: Mittelmeer. Die blauen Wellen und der weiße, warme Sand werden euch an etwas erinnert haben, das nicht zu greifen gewesen sein wird, weil es nah ist und fern zugleich, und das von euch doch beschrieben werden wollen gewesen sein wird … eine Farbe … eine Stimmung … Musik …

“Reggae”, werde ich versucht haben, euch weitergeholfen zu haben.
“Nein, nicht Reggae!”, wird eure Antwort gewesen sein, verletzt.

***

OK, Leute, das war erst der Anfang. Der Roman soll im Herbst erscheinen, wir wissen noch nicht genau, wo! Hinweise werden gerne entgegengenommen.

Love & Peace

Eure Ursulinskaja

oystercatcher schiffe
Nicht Griechenland. Nirgendwo.


Und hier nun die Lesung in Ton und Bild:

 

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Behaglichkeit durch offene Kamine und Kachelöfen

Während der Regen draußen wie bescheuert gegen die Scheiben bollert – schnattaratäng, bumm, batsch! -, sitze ich hier an meinem Kachelofen und lasse mich von seiner Gemütlichkeit durchdringen.
Die Wäsche ist geplättelt und gestärkt. Tausend kleine Apfelschnitze sind zum Trocknen auf der Leine aufgefädelt. Der Boden ist gewachst und gebohnert, das Flachs ist gesponnen, das Bier gebraut. Der Braten räkelt sich wohlig im Römertopf. Einziger Laut in der fast schon beklemmenden Stille: der Nachhall des zum Schweigen verdonnerten Staubsaugers.
Aber jetzt ist Ofenzeit. Ofenzeit = Seelenzeit.

CCI20170629 Ursulinskaja schmökert in ihrer “Bibel”, Heiß auf Kaltakquise von Tim Taxis.*
Foto: Behaglichkeit durch offene Kamine und Kachelöfen, Ottmar Strebel (Hrsg.). Stuttgart, 1978. Seite 222.

Heute will ich mir einmal den neuen Ratgeber von Orsolya Blogganowa zur Brust nehmen, “Blogmanagement: Strategien Impulse Lösungen”. Mein erster Eindruck: Das Buch ist optisch ansprechend gestaltet. Tortengrafiken folgen auf dicker hervorgehobene Zwischenunterschriften, immer wieder aufgelockert durch weitere Grafiken. Die Lektüre ist von kompetenter Hand leserfreundlich aufbereitet und macht Lust auf mehr. Allerdings verheddern sich meine Gedanken zunehmend in den gutgemeinten Ratschlägen, und nach einigen Seiten muss ich das Buch erschöpft zur Seite legen.
Zur Entspannung lese ich “Wie Rudolf Steiner einmal einen Stein an den Kopf bekam” von Heike Freigeist (“Das Blut der Elfe” u. a.), einen Thriller aus dem anthroposophischen Milieu.

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Family Time = Quality Time. Von links nach rechts: Anja, Tanja, Christine, Christiane.  Nicht im Bild: Margit, Margot, Rolf, Ralf, Bernd, Bert und die Zwillinge.
Foto: Behaglichkeit durch offene Kamine und Kachelöfen, Ottmar Strebel (Hrsg.). Stuttgart, 1978. Seite 127.

Eigentlich habe ich aber gar keine Zeit zum Lesen. Schon seit Wochen wartet mein “Twin Peaks”-Fantrailer auf seine Fertigstellung. Aus technischen Gründen verzögert sich die Produktion leider immer wieder.
Inzwischen soll die neue Staffel der Serie schon angelaufen sein. Das war zwar nicht so ausgemacht, aber was soll’s – schmollen hilft jetzt auch nicht weiter. Wir werden sehen, ob es trotzdem ein paar inhaltliche Überschneidungen gibt. Wegen Spoilergefahr werde ich mir vor Fertigstellung des Videos aber natürlich keine der aktuellen Folgen anschauen!

Und hier noch ein paar weitere Impressionen eines besonderen Tages:

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Hier blättere ich entspannt im Kinsey-Report.
Foto: Behaglichkeit durch offene Kamine und Kachelöfen, Ottmar Strebel (Hrsg.). Stuttgart, 1978. Seite 84.
CCI20170629_0005Die gesponnene Wolle muss schnell verstrickt werden, bevor unser “Schlumpfi” ein Internet daraus webt.
Foto: Behaglichkeit durch offene Kamine und Kachelöfen, Ottmar Strebel (Hrsg.). Stuttgart, 1978. Seite 179.
Gunter schmollt.
Gunther ist eingeschnappt.
Foto: Behaglichkeit durch offene Kamine und Kachelöfen, Ottmar Strebel (Hrsg.). Stuttgart, 1978. Seite 186.
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Nach nächtelangem Versuch, Stroh zu Gold zu spinnen: eine flüchtige Vision – halb Märchen, halb Hirngespinst, halb nackter Wahnsinn. Rudi schaut betreten zur Seite.
Foto: Behaglichkeit durch offene Kamine und Kachelöfen, Ottmar Strebel (Hrsg.). Stuttgart, 1978. Seite 149.
CCI20170629_0002Aber jetzt genug gelesen, gehäkelt, gestrickt. Freizeit von der Freizeit. LIKE!
Foto: Behaglichkeit durch offene Kamine und Kachelöfen, Ottmar Strebel (Hrsg.). Stuttgart, 1978. Seite 152.

Die außergewöhnliche und vielschichtige Erfahrung eines solchen Tages wäre sicher nicht möglich gewesen ohne das Buch “Behaglichkeit durch offene Kamine und Kachelöfen”, das ich euch allen ans Herz legen möchte und das meines Erachtens in keinem Stylo-Haushalt fehlen sollte.

Dieser Text ist übrigens Teil der Reihe “Bastel-, Wohn- und Einrichtungsbücher der 1970er Jahre – durch die Cyberbrille gesehen und neu interpretiert im Zeitalter von Biotechnologie und künstlicher Intelligenz”. Ob das als urheberrechtliche Absicherung ausreicht, falls Ursulinskaja mal tatsächlich online gehen sollte, bleibt abzuwarten.

Ich wünsche Euch ein behagliches Wochenende!

Eure Ursulinskaja

CCI20170630_0002 30 6Behaglichkeit durch offene Kamine und Kachelöfen, Ottmar Strebel (Hrsg.). Stuttgart, 1978. Titelbild.
*Tim Taxis: Heiß auf Kaltakquise. Freiburg 2007.

 

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Weberknechte weben das World Wide Web

Dieser Text ist suchmaschinenoptimiert. Die Frage, ob Weberknechte für das Internet verantwortlich sind, rangierte 2016 unter den Top 30 der beliebtesten Suchanfragen auf Google. “Weben Weberknechte das Internet?”, “Weben Weberknechte das Web?” und “Weben Weberknechte das WWW?” teilten sich dabei die Plätze 26, 27 und 28. Das ist nicht weiter verwunderlich. Dass Weberknechte etwas mit dem Cyberspace zu tun haben, drängt sich ja geradezu auf.

Trotzdem ist es natürlich Schwachsinn. Der Grund liegt auf der Hand: Weberknechte haben, im Gegensatz zu anderen Spinnen, keine Spinndrüsen und sind damit gar nicht in der Lage, Netze zu spinnen.

weberknechte_quadrat

Weberknechte haben, anders als andere Spinnentiere, richtige Geschlechtsorgane (hier nicht
im Bild). Aus: Spiders and their kin. A Golden Nature Guide, 1968, S. 133.

Wer steckt also in Wirklichkeit hinter dem Internet? Eine Frage, der es sich nachzugehen lohnt.

Afrika

Eine heiße Spur führt uns nach Afrika. Dort gibt es bekanntlich die uralte Weisheit: “Es braucht ein ganzes Dorf, um ein Kind großzuziehen.” Hängt auf der ganzen Welt in Kalendern herum und inspiriert. Inspiriert, inspiriert, inspiriert. Bis der Spruch vielleicht irgendwann auf jemand stößt, der über das gewöhnliche Maß hinaus inspiriert wird und sich denkt: Warum kleckern, wenn ich auch klotzen kann? Warum nur ein ganz normales Dorf nehmen, wenn ich auch ein globales haben kann? Für die Erziehung meines Kindes ist mir das Beste schließlich gerade gut genug. – Und versteht es als Aufforderung, an einem Netz zu tüfteln, das die ganze Welt miteinander verbindet und schließlich auf die Größe eines Dorfes zusammenschrumpfen lässt. Resultat: das Internet.

Friedensnetz

Eine andere Theorie besagt, dass das “Netz” in der evangelischen Kirche der siebziger Jahre entstanden ist. In einem damals sehr angesagten Kirchenlied hieß es:
“Wir knüpfen aufeinander zu, wir knüpfen aneinander an, wir knüpfen miteinander, Shalom, ein Friedensnetz.”* Eine Idee, die sicherlich gut gemeint war, die aber, wie wir heute wissen, nicht nur harmlose Folgen hatte. So hat das World Wide Web neben vielem Guten und Nützlichen auch Dinge wie Chatroulette, Mamablogs, Cyberkriminalität, Korrektorenforen, Fake News und Donald Trump hervorgebracht.

Aber eben auch Ursulinskaja.

So hält sich alles die Waage und gleicht sich irgendwie wieder aus – Yin und Yang, Tag und Nacht, Kätzchen und Weberknecht -, und nur durch die Überwindung des Dualismus werden wir schließlich zu innerer Zufriedenheit gelangen.

Weberknechte

Zurück zu den Weberknechten. Wusstet ihr, dass diese possierlichen Tierchen vielerorts auch Schneider genannt werden? Weberknechte, die fliegen und an Mauern entlanghüpfen – also Schneider -, sind aber eigentlich gar keine Spinnen und haben deshalb auch nur sechs Beine. Man muss sich vor ihnen also nicht fürchten.
Dieselben Tiere werden in anderen Regionen übrigens auch Schnaken genannt. Dabei sind Schnaken eigentlich kleinere Insekten, die Menschenblut saugen und die in Norddeutschland verharmlosend Mücken genannt werden. Mücken dagegen sind einfach nur kleine Fliegen, die niemandem etwas zuleide tun. Und Fliegen …?

Bei näherer Betrachtung löst der Weberknecht so ein ganzes “Web” an Bezügen und Querverbindungen aus. Das Nachdenken darüber stiftet heillose Verwirrung in unseren Köpfen, wir verheddern uns darin wie in einem “Netz”. Zufall?
Und was ist eigentlich aus der Duisburger Weberknechtplage aus dem Jahr 2011 geworden? Man hört gar nichts mehr. Plötzlich alles wieder in Butter im Ruhrpott, oder was? War da irgendwas? Weberknechtplage? Nie gehört von …
HA! Dass ich nicht lache!

Ihr seht, eine gewisse Verunsicherung bleibt. Die eingangs gestellte Frage muss daher am Ende unbeantwortet bleiben.

Eure Ursulinskaja

PS: Checkt das aus, Arachno-Freaks: Hier gibt es einen neuen Zwillingsreim mit Weberknechtbezug.

Und hier noch einmal die Kurzfassung in Reimform:

Weberknechte – sag bloß, des wusstet ihr net?-,
Weberknechte weben das Internet.

Weberknechte, aber jetzt wisset er des,
Weberknechte weben den Cyberspace.

Weberknechte, des weiß jeder Depp,
Weberknechte weben das World Wide Web.

Weberknechte haben auch Rechte.
Weberknechte – es gibt falsche und echte.

* Peter Janssens, 1975: “Friedensnetz”.
Weitere inspirierende Kirchensongs findet ihr übrigens hier.
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Akquise sucks

Friedrich Hegel soll einmal gesagt haben: “Akquise ist wie Darmspiegelung. Erst trinkt man Liter um Liter des abscheulichsten Getränkes. Hernach bekommt man zum Lohne eine Darmspiegelung verpasst.”
Den Worten des schwäbischen Philosophen ist eigentlich nichts hinzuzufügen. Außer vielleicht Folgendes: Die Darmspiegelung erfolgt heutzutage meist unter Narkose. Arbeit hingegen merkt man.

So weit also mein (im Übrigen schon hinreichend bekannter) Standpunkt zum Thema Lohnarbeit. Aber was nun?

Achtung, Shareholder: Hier bitte nicht weiterlesen.
(Triggerwarnung!)

Mein Blog vezeichnet zwar an manchen Tagen prozentuale Zuwächse im dreistelligen Prozentbereich, wenn wir ganz nahe an den Chart heranzoomen. Das hat aber auch ein wenig mit den absoluten Zahlen zu tun. Und diese sehen, wenn wir ganz ehrlich sind, nicht ganz so rosig aus.

Und selbst, wenn sie es thäten. Who carte? Who würde mir dafür Geld überweisen? Wer würbe hier, und wenn, dann wofür? Für die “Phänomenologie des Geistes” in der geheimen Ausgabe von 1815? Für Lavalamps? Griechische Restaurantservietten? Diddlmausfallen? Palindromatenaufsteller? Stinkwurzbrühwürfel?
Muss ich noch exzentrischer werden? Muss ich erst total ausrasten und hier irgendwas ganz Gemeines schreiben, zum Beispiel über die blöden Bastelelfen vom Bastelforum, die meinen Link zur Bastelseite von Uschy gelöscht haben? Aber bringt ja eh nix, sie können es ja nun nicht mehr lesen.

Also doch der herkömmliche Weg: ARSCHQUISE.
Irgendeine Scheißarbeit suchen und dann für scheißwenig Geld irgendeinen Scheiß arbeiten. Klingt irgendwie scheiße.

Der vorangegangene Absatz wird später nochmal überarbeitet, versprochen. Den hat mir Tourette-Ursi vom Think Tank KÄPSELE SUPERIOR Inc. gerade auf die Schnelle noch so eingereicht, und ich muss jetzt leider sofort los …

Tschüssi!

Eure Ursulinskaja

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Süßes Waschbärenbild

PS: Ursi weigert sich, den vorletzten Absatz neu zu überarbeiten. Leider habe ich kein Druckmittel gegen sie in der Hand, da sie zurzeit unentgeltlich für mich arbeitet.

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Ostern mit Uschy

Hallöchen-popöchen, ich bin wieder da!
Die Kinder, die rufen: Juchhee! und: Juchhaa!
Denn jeder, der Herz hat, der liebt Basteleyn,
Weil sie uns von Sorgen und Nöten befreyn.

küken

Foto: Toni Schneiders. Aus: “Stofftiere zum Spielen, Sitzen und Kuscheln”
von Erna Rath. Christophorus-Verlag Freiburg, 1973, S.28.

So, ihr Lieben, schmeißt schon mal eure 3-D-Drucker an, wir haben leider nicht viel Zeit heute (Ostern!!!). Zur Herstellung dieser süßen Küken braucht ihr

3 Eier
1 Hammer
1 Huhn wie abgebildet.

Die frischen, noch nicht gekochten oder ausgeblasenen Eier nehmen wir aus dem Kühlschrank. Wir platzieren sie sanft vor uns auf dem Tisch. Dabei summen wir ein kleines Lied, oder besser noch, ein kleines Zaubergedicht vor uns hin:

Die Küken, die Küken, die wolln uns entzücken,
Die wollen in andere Sphärn uns entrücken.
Sie piepsen, sie pupsen, sie zwitschern und schreyn
Mit Stimmen, so lieblich, als wärn es Schalmeyn.*

Dabei klopfen wir mit dem Hammer den Takt auf dem Tisch. Ein Geschirrtuch dient uns als Unterlage.

Dann stellen wir den Küchenwecker auf 90 Minuten.

Wir setzen uns mit dem Rücken zum Tisch auf einen harten, möglichst unbequemen Stuhl und erlauben unseren Gedanken, ziellos durch den Raum zu schweifen: Mindfulness. Mehr können wir im Augenblick nicht tun. Wir haben unseren Beitrag geleistet, um alles andere kümmert sich Mutter Natur. Wir lauschen dem Ticken der Uhr, etwas knackt im Hintergrund … ein knackiger Hintern vielleicht …? Die Eier können es jedenfalls nicht sein, dafür ist es noch zu früh.
Wir arbeiten derweil an einem Palindrom.

I, SUSANNE, TÖTEN HÄHNE KÜKEN? – HÄHNE TÖTEN? NA, SUSI …

Ringelingeling!!!!!
Der Wecker reißt uns aus unseren traurigen Gedanken. Schluss mit der Palindromarbeit! Vorsichtig drehen wir uns um – und …

ursel1

Uschy von der Basteleyen, mit ihrem Vogel im Reich der Fantasy.

… wie Sie sehen, sehen Sie: nichts! Haha, ausgetrickst!
Ist ja auch klar! Wie sollte das denn funktionieren?!

Aber jetzt kommt unser 3-D-Drucker ins Spiel:
Schnell das oben abgebildete Huhn ausdrucken. Auf die Eier setzen. Die Zimmertemperatur erhöhen. Ein weiteres Stündchen warten oder zwei. Jetzt sollte es klappen! Wenn nicht, schreibt mir bitte eine E-Mail, ich schicke euch dann die analoge Bastelanleitung, ist aber ziemlich kompliziert!
Jetzt muss ich leider ganz schnell los. Tschü mit ü und Happy Easteregg! HAHAHAHA! ROLF!!!

Eure Uschy

001 (2) (Large)

Titelbild: “Stofftiere zum Spielen, Sitzen und Kuscheln” von Erna Rath.
Christophorus-Verlag Freiburg, 1973.

Dieser Beitrag ist Teil unserer Reihe “Bastelbücher der 1970er Jahre – durch die Cyberbrille gesehen und neu interpretiert im Zeitalter von Biotechnologie und künstlicher Intelligenz”. Eine weitere Kolumne aus der Serie findet ihr hier.

*Auf die Melodie von “Im Märzen der Bauer” zu singen.
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