Abi 92 (Grundkurs Astronomie)

Nach Astronomie steig ich mit P. den Hang hinauf, wo der Stadtpark hinter der Sporthalle mit ein paar Parkplätzen endet. Darauf steht, steil und schwer wie ein Schuhkarton, lässig und unverbunden mit dem Grund, die Schwäbische Alb. P. will mir was zeigen. Schon nach wenigen Metern blitzt, überbelichtet und sonnenversengt, eine Wiese durchs Dickicht. Von hier hat man einen tollen Überblick über den Stadtpark, auf Sporthalle, Gymnasium und wie sie alle heißen. Wir setzen uns mitten ins Gras.

Nach dem Astronomiekurs gehen wir oft noch mit ein paar Leuten vom Gymnasium rüber ins Internat, zu meinem Freund Lukas oder zu mir. Heute bin ich mit P. allein, und wir schauen auf den unendlich begrenzten Umriss des Stadtparks hinunter. Ganz nah plötzlich alles.
Wir sitzen auf dem Boden im Gras, wo es eigentlich viel zu heiß und trocken ist, um zu kiffen. Mehrere tausend Jahre alte Steine kommen zu uns heraufgekrochen und kokettieren mit ihrer Dummheit.

„Astronomie verspult einen immer voll!“, sagt meine Freundin Sonja da unten im Stadtpark. Zwischen Parkplatz, Sporthalle und Asphaltwegen dreht sie sich taumelnd im Kreis und macht einen auf naives Hippiemädchen.
„Astronomie verspult einen immer voll! Galaxien und Unendlichkeit und so!“
Ich seh sie regelrecht auf dem Rasen dort unten sich drehen, im Batikrock und mit weit ausgebreiteten Armen.

Den meisten Älblern ist es ja egal, wo sie wohnen. Hauptsache, man schafft den Führerschein in der kürzestmöglichen Zeit.
„Wie viele Fahrstunde hasch brauchd? … Echt, odder?!“
Zwischen dem Rocky’s und dem Goldenen Hirsch brausen sie dort unten da­hin, dann weiter an der Pizzeria Pompeji vorbei und nach Ulm, ins Café Doolittle. Geborene Autofahrer. Unkompliziert und gleichmütig.
Wir Internatsschüler dagegen. O je.
„Wer sich vor zehndausend Johr de Arsch abgwischt hat, des wisset er“, sagt unser Fahrlehrer immer. „Aber dass mer sich beim Linksabbiege in der Eibästroß links einordne muss, des lernet ihr NIEMALS.“

P. ist mein Älblerfreund, meine Verbindung zur Schwäbischen Alb. Wie ein poröser Stein, durch den das Wasser bis in den Grund sickern kann.
P. ist aber auch ein Sadist. Wenn ich bekifft bin, quält er mich gerne. Er spult ganze Kassettenseiten von Hand zurück, nur um mir ein Lied vorzuspielen, das ich nicht mag.
„Was hab ich denn hier in meiner Hand?“, fragt er mich jetzt.
Tief unter uns, im kühlen Aquarium der Blautopfhöhle, taucht der berühmte Herr Hasenmeier durch die winzige Öffnung und dann waagrecht zwischen unseren Beinen hindurch, Richtung Sonderbuch. Hinter ihm her: die Entschiedenen Christen, auf der Suche nach Fossilien zur Widerlegung der Evolutionstheorie.

Versteinerungen sind Beweise für die frühzeitige Erschaffung von Huftieren. Von einem ganz bestimmten Huftier, das auf Bäume klettern konnte und die Glaubwürdigkeit der Bibel belegt. War’s nicht so, lieber P.?
„Halts Maul“, sagt P.
Übermütig glucksend und glücklich bin ich, wie die kleinen Albsteine, die durch meine Finger rieseln. Ungerührt von allem, womit P. mich möglicherweise ärgern will.
P. ist blond und lockig und war noch bis vor kurzem voll das Kind, „mit riesigen weißen Turnschuhen“, wie unsere Freundin Sonja mir erzählt hat. Er war extrem fromm und hat total genervt. Während des Golfkriegs soll er, weinend, im Hirsch gesessen und aus der Offenbarung des Johannes zitiert haben.
P. trägt ein rotweiß kariertes Hemd und grüne Kniehosen. Hinter ihm steht ein imaginäres Holzschild mit der Aufschrift “Waldlehrpfad”.

Der Stadtpark unter uns ist eine grüne Legoplatte. Drei kleine Touristen laufen an der Sporthalle vorbei Richtung Kloster, und wir stellen uns vor, wir wären die und würden uns hier sitzen sehen und mit den Fingern auf uns zeigen.
„Worüber haben wir grade gesprochen?“, fragt P.
Walter Nägele hat heute ein Referat über die Kepplerschen Gesetze gehalten. P. kratzt mit einem Stöckchen Kreise in den Boden und tut so, als würde er mir’s nochmal erklären.
„Worüber haben wir grade gesprochen?“
“Wir wären die und würden uns hier sitzen sehen und mit den Fingern auf uns zeigen“, sage ich brav.
„Und davor?“
Früher war hier das Meer, und die Donau war, wo jetzt die Blau fließt. Die Logik der Kepplerschen Gesetze findet auch hier ihre Anwendung.
Ein schwarzer Daimler fährt rückwärts in eine Parklücke, ein Ehepaar steigt aus und entfernt sich von seinem Auto.
Letzte Woche bin ich durch die Fahrprüfung gefallen. Morgen hat Lukas seine Fahrprüfung.
„Der Lukas und du, ihr fahret wie eineiige Zwilling – exakt die gleiche Fähler“, sagt unser Fahrlehrer immer.

Bis zum Platzen albern aufgeblasen und unschuldig bin ich, wie die liebe Sonne, die sich mir genau gegenüber auf einer Linie abstützt.
„Was hab ich hier in meiner Hand?“, fragt mich P.
Alles kristallisiert sich zu etwas fein Ziseliertem heraus, etwas herrlich strahlend Gelbem. Das Denken verläuft beim Kiffen immer von außen nach innen. Erst kommt das dümmliche Grinsen, weil die Zunge am Gaumen festklebt. Dann folgt die Erkenntnis.
P. hat aus zwei Hölzchen und einem Grashalm eine Puppe gebastelt. Sie stellt meinen Freund Lukas dar. Mit dem Taschenrechner hält P. ihr die Augen zu, damit Lukas morgen durch die Fahrprüfung fällt. Medizinmänner singen dazu im Osten. Die Sonne geht auf, die Sonne geht unter. Der Rhythmus der Busch­trommeln trägt hinauf bis nach Asch, mit Schwingungen, die hier eher selten sind, so aus der Hüfte …

Wir gehen durch den Wald und die Treppen hinunter zurück, Richtung Klosterhof. Als wir an der Sporthalle vorbeikommen, drehe ich mich vorsichtig noch einmal nach uns um. Wir sind nicht mehr zu sehen. Gott sei Dank!

 

 

 

Advertisements
Posted in Uncategorized | 4 Comments

Vancouver (Life during the Olympics)

(2009/10)

 Impression mit Ente2

 

bach stanley park schnaken_ausschnitt

 

buliding site

 

Abbey Road

 

pionier pilz 2

 

tennisplatz berge1

 

möwe pfütze

 

seabus leute

 

Tier

 

nebel english bay stanley park2

 

Gestern war ich beim Joggen sehr blöd zu einer Krähe. Hab auf sie gezeigt und gerufen: „Gehst du weg!“. Aggression gegen Vögel, das gab’s schon lang nicht mehr bei mir!

*

Manchmal kann ich mein Glück kaum fassen. Heute morgen hupte ein Schiff auf der anderen Seite der Innenstadt, dort, wo der Hafen ist. Wir kamen ja grad erst vom Strand auf unserer Seite. Ich saß also hier beim Frühstück in unserer Junggesellenbude und hab durch die Schiffshupe das räumliche Gefühl bekommen, auf einer Insel zu sein, umgeben von freundlichen, ruhigen Gewässern mit Massen von Tieren zu Wasser, zu Lande und in der Luft.

*

Heute wieder nur ich am Strand bei der Uni, und ein Didgeridoospieler. Jedenfalls dachte ich das zunächst. Es war dann aber doch nur ein Fotostativ in seiner Tasche (mit Peacezeichen-Aufnäher drauf …). Gott sei Dank!
Fotografieren, pfff … ein Stativ aufbauen und warten, bis alles perfekt ist. Nachdenken muss man nicht,  und nach Wörtern suchen schon gar nicht. Auch von Anatomie muss man keine Ahnung haben. Das wäre schon ein besonderes Kunststück, zum Beispiel einen Vogel so zu fotografieren, dass man nicht kapiert, wo der Schnabel und wo der Schwanz ist!

*

Oh wohlriechende Bäume, oh wohlmeinendes Meer, oh liebe Fische und Steine und Enten! Ich komme mir vor wie die Küste hier, nachdem die Industrie verschwunden war und all die Fische, Vögel und Seehunde allmählich zurückgekehrt sind.
Hab gestern zum ersten Mal eine wood duck gesehen. Bin verzaubert und muss sie wiedersehen!

*

Heute ekle mich vor allen Tieren im Stanley Park, wo sie gefüttert werden, bis sie platzen. Ich ekle mich vor den fetten Möwen, Krähen, Enten, Gänsen, Schwänen, Blässhühnern, Tauben und Spatzen.
Dekadente, fette Eichhörnchen, diese Virenschleudern und Ratten Nordamerikas! Genau wie die Waschbären – rabiate graue Fettsäcke mit Hängebäuchen, mit Hautkrankheiten und Abschürfungen, verstümmelten Schwänzen, gichtigen Fingern und messerscharfen Zähnen, die all ihre Putzigkeit Lügen strafen.
Die Reiher stehen zwar immer etwas abseits bei den Fütterungsorgien. Sie sehen aber an sich schon so morbide aus, wie lüsterne alte Mönche, wie räudige Hunde, mit ihrem zerfetzten, schlecht frisierten grauen Gefieder und ihren stechenden Augen.
An so einem Tag werden auch die Fotos und Tierfilmchen nie was. Alles ist grau in grau, mit unattraktivem Pflanzengestrüpp, Mauersteinen oder irgendeinem anderen Anzeichen von Zivilisation im Hintergrund.
Das sind doch alles keine wilden Tiere hier, denen man auflauern muss! Die warten doch schon ganz ungeduldig auf mich und sind richtig heiß drauf, zum Film zu kommen!

*

Der Reiher hat mir gestern so leid getan, als er bei der Fütterung dabeistand und immer mit dem Schnabel in die Luft geschnappt hat. Aber was weiß ich schon, wie ein Reiher sich fühlt?
Wie wohl die jungen Reiher das Reiherhandwerk erlernen? Ob sie verspielter, tapsiger und ungeduldiger sind als ihre Eltern? Ob sie sich dadurch verraten und es sich mit der Beute verscherzen? Und wie kommen sie eigentlich drauf, dass keiner sie sieht, während sie irgendwo rumstehen?
Ich fände es ja schön, wenn auch Tiere Dinge aus Spaß und zum Zeitvertreib tun würden, so wie ich. Wenn sie andere Tiere süß oder lustig fänden. Aber bestimmt ist das alles Quatsch, und Darwin lauert hinter jeder Ecke.

*

Oh, wenn ich nicht mehr hier bin, das wird hart – an dem Ort mit der höchsten Biomasse/qm. Wie werde ich diese Biomasse vermissen!

 

olympia glasscheiben

***

BONUSTRACK 1:

 

 

 

 

 

 

BONUSTRACK 2:

 

 

 

 

Posted in Uncategorized | Leave a comment

Afrikanische Schweinepest

Der Mettigel hatte den Sektempfang vorzeitig verlassen und stromerte fröhlich durch den Wald: ein fleischfarbener Flaneur, ein formloser Dandy aus Hack.
Eifrig schnüffelnd nahm ein Wildschwein seine Fährte auf. Angetrieben wurde es von seinem animalischen Instinkt, der sein einziger ethischer Kompass war.

Eine Clique von Rehen betrat das Gesichtsfeld des Keilers. Zu gerne hätte er ihnen auf der Stelle ihre blütenweißen Hintern versohlt. Jedoch umschmeichelte in diesem Moment ein unwiderstehlicher Duft nach Hackepeterbrötchen seinen Rüssel. Aufgeschoben ist nicht aufgehoben, dachte der Schweinehengst pragmatisch und setzte seinen Weg durchs Unterholz fort.
“Hackepeter!”, stöhnte er dabei genüsslich.
“Das schwule Brötchen schmeiße ich einfach weg.”

reh

 

 

 

 

 

Unterdessen bewegte sich der Mettigel sorglos durchs Gehölz, vorbei an konventionellen Igeln, an Parasolen, Pfifferlingen und Pantherpilzen. Ein fortwährendes Verschmelzen mit seiner Umgebung war seine bevorzugte Gangart, über herkömmliche Gliedmaßen verfügte er leider nicht.
Bald schon kam es ihm völlig natürlich vor, Teil des Waldes zu sein, und er fühlte sich eins mit Fauna, Flora und dem Kosmos.
Die Richtung hatte ihm sein Unbewusstsein schon vor langer Zeit vorgegeben: Zunächst ging’s zum Schweinehochhaus nach Sachsen-Anhalt, wo ein paar befreundete Blueser wohnten. Von da zog es ihn weiter nach Osten – erst in die polnische Heimat, dann weiter nach Mekka, eventuell auch nach Indien oder Tibet. “Schau mer mal”, dachte er locker.

Von jeher war der Mettigel ein spiritueller Typ gewesen. Schon in der Schweinemastanlage hätte er seinen persönlichen Bereich gerne mit Batiktüchern abgehängt. Leider wurde auf die persönlichen Bedürfnisse der Schweine dort wenig Rücksicht genommen.
Lässig schwang er seinen Astralkörper von Baum zu Baum. Hin und wieder geriet das amorphe Hack aus dem Gleichgewicht und rutschte dann unsanft den Stamm hinunter. An der Rinde entstand so eine Schleifspur, die später von anderen Tieren mit einem Schleimpilz verwechselt wurde.
Solange es sich dabei nicht um Wildschweine handelte, stellte das kein Problem dar. Zwar trug er den Schweinepesterreger ASP in sich. Dieser kann aber ausschließlich Schweine infizieren und ist für andere Tiere völlig ungefährlich. (Quelle: Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft, “Fragen und Antworten zur Afrikanischen Schweinepest”.)

 

viech_schief

 

 

 

 

 

Anders sieht es mit Wildschweinen aus.
Und hier wechsle ich der Spannung halber ins historische Präsens. (Mehr zu diesem für mich sehr emotionalen Thema findet ihr übrigens hier.)

Der Duft nach rohem Schweinefleisch ist inzwischen fast unerträglich stark geworden. Er saugt das Wildschwein gleichsam an, hin zu einem großen, stattlichen Baum: der Hitlereiche, einem beliebten Treffpunkt der örtlichen Dorfjugend.
Die Eiche ist ein ausgewiesener Kraftort und wird von zahlreichen nordischen Göttern bewohnt, namentlich Bil, Erce, Delling, Netzer, Fulla, Gerda, Hirnim, Hirni, Rindr, Grindr, Sif, Kiff, Kefyr, Rummenigge, Thökk, Thor, Uller, Ulla, Wyrd und Weird.*
Als das Wildschein also jetzt beginnt, die Rinde zu belecken – zunächst vorsichtig, dann immer forscher, um sich schließlich mit dem ganzen Körper gegen den Baum zu werfen  …

… beendet der erboste Kefyr das Leben des Schweinerüden kurzerhand mit einem gezielten Wurf seines Speeres Knarzogyr. 😦

Immerhin: Der sehr viel langsamere und qualvollere Tod durch die Afrikanische Schweinepest bleibt dem Keiler so erspart.

***

Zum Glück hatte ich schon eine Ahnung davon, wie diese Geschichte ausgehen würde. Deshalb habe ich unseren Wildschweinhelden von vorneherein so konzipiert, dass eine Identifikation mit ihm gar nicht erst aufkommen will.

Aber denkt immer dran: Es gibt auch nette Wildschweine da draußen.
Darum Obacht – Wurstbrote gehören nicht in den Wald!!!

Eure Ursulinskaja

*Einige der Namen gehören nicht zu nordischen Gottheiten. Findest du heraus, welche es sind?

 

Posted in Uncategorized | 2 Comments

Osterbasteleyen mit Eyerlikör

Hallöchen-popöchen, die Uschy ist da!
Genau wie an Ostern vor knapp einem Jahr.
Ja sapperlelottle, habt ihr mich vermisst?
Mir ging es genauso, nur dass ihr es wisst!

Doch jetzt hat das elende Warten ein Ende.
Wir nehmen das Klöppelgerät in die Hände.
Auf Ostergebastel mit Pfiff und mit Schwung
Hat jeder viel Bock, und so endet mein Song!

Liebe Fans! Zunächst einmal möchte ich mich ganz herzlich für eure Geduld bedanken. Wie einige von euch wissen, habe ich in den letzten Monaten viel Zeit bei der Truppe verbracht. Deswegen hatte ich leider nur wenig Gelegenheit für neue Basteleyen.
HAHAHA, die Rede ist natürlich von meiner Basteltruppe “Die Bastelnarren”, mit denen ich lauter wunderbare neue Ideen & Inspirationen für eure Wohnstuben ausgeheckt habe! Eine davon habe ich euch heute mitgebracht:

Ausgeblasene Eier, gefüllt mit Eierlikör

Ihr braucht dazu:
Viel Geduld, Mut, Ausgelassenheit, Hoffnung, Spaß, Ausdauer, Hingabe, Frieden … ein bisschen “Ver-rückt-heit”, Freude am Basteln sowie 6-8 weichkochende Eier, ein Nähkästchen (auch die Waffe der Frau genannt, HAHAHAHAHA!), gewöhnliches Laubsägewerkzeug und eine gute Flasche Eierlikör.

CCI31032018_0005 (2)
Häkelnadeln im Profil. Von links nach rechts: Größe 2, 2 1/2, 3,3 1/2, 4, 4 1/2, 5, 5 1/2, 6, 6 1/2, 7, 8, 9, 10 und die “alte Dickmadame” mit der Nummer 12.*

Zunächst piksen wir beidseitig ein Loch in unsere Eier. Ich verwende dazu eine Häkelnadel der Größen 7 bis 9. Ihr könnt aber auch einen Apfelentkerner benützen, oder ihr köpft einfach das Ei und lasert es später wieder zu. Wie ihr es macht, bleibt  völlig euch überlassen, hier ist der individuelle Lieblingsstyle gefragt! (Wenn Zeit bei euch keine Rolex spielt, könnt ihr es auch mit einer herkömmlichen Stecknadel probieren: VIEL SPASS, HAHAHAHA! Wir sehen uns nächste Ostern wieder! ROLF!)

Was zählt, ist das Ergebnis: ein leeres Ei. Denn erst wenn das Ei leer ist, kann es wieder befüllt werden: mit kleinen Filzlappen, Hähnchenragout oder, wie hier, leckerem Eierlikör.

Ihr müsst übrigens nicht auf den angestaubten Fusel eurer “Oldies” zurückgreifen. Inzwischen gibt es auch ganz ausgezeichnete digitale Liköre – zum Beispiel von My Eier, Ei Space, f_EIER_abend oder WhatsEgg. Einfach mal rumsurfen und schauen, was der Cyberspace so hergibt!

Wenn das Flüssigeierzeugnis draußen ist, vermischt ihr es sanft mit dem Eierlikör, um es zu desinfizieren.
Nun muss “das Huhn zurück ins Ei”, wie ich immer gerne sage. Ostern als Fest des Lebens erinnert uns damit zeitgleich auch an die Wiedergeburt, an Werden und Vergehen. Alles ist möglich, jeder kann es schaffen, und nichts ist so, wie es scheint.

CCI31032018_0004
Auf einem quadratischen Platzdeckchen mit Hohlnahtverzierung wirken die
gefüllten Eier besonders plastisch.**

Wie aber kommt “das Gelbe zurück ins Ovale”?
Das Stichwort lautet hier: Physik. Haben wir beim Ausblasen mit Überdruck gearbeitet, so ist jetzt Unterdruck gefragt. Dieser entsteht zum Beispiel dadurch, dass ihr mit den Lippen kräftig am Ei saugt. Ihr könnt es aber auch mit heißer Luft probieren, die ihr in das Ei füllt und dann wieder urplötzlich abkühlen lasst.
Eine andere Variante sind Schröpfköpfe oder Blutegel, die ihr ans Ei anlegt und die Arbeit für euch erledigen lasst. Oder ihr übt psychischen Druck auf das Ei aus, den ihr mit unerwarteten plötzlichen Entspannungsphasen abwechselt. Am besten einfach ein bisschen herumexperimentieren – eurer Fantasy sind, wie immer, keine Grenzen gesetzt!

Wer den Apfelausstecher oder die Laubsäge verwendet hat, ist jetzt im Vorteil. Er kann den “Stoff” einfach zurück in die zersägten oder zerhackten Eier kippen. Dann oben und unten zulasern, noch einen hübschen Faden dran – fertig ist die innovative Osterdeko.

Ich wünsche euch allen frohe Feiertage. CU on Instagram!

Eure Uschy v. d. Basteleyen

CCI31032018_0002 (3)
Na, Bock auf “Ey”?***

Dieser Beitrag ist Teil unserer Reihe “Bastelbücher der 1950er bis 1970er Jahre – durch die Cyberbrille gesehen und neu interpretiert im Zeitalter von Biotechnologie und künstlicher Intelligenz”. Weitere Kolumnen aus der Serie findet ihr hier und hier.

 

* Dr. Gertrud Oheim: Das praktische Handarbeitsbuch. Gütersloh, 1961, 1965. Seite 43.
** Ebd. Seite 75.
*** Ebd. Seite 101.

 

Posted in Uncategorized | Leave a comment

Erinnerungen an die DDR

(Aus Ursulinskajas Archiv, ca. 1999)

Ich muss ungefähr fünf Jahre alt gewesen sein, als ich zum ersten Mal begriff, dass Dänemark und die DDR zwei verschiedene Länder waren. Dänemark war das gelbe, weiche mit dem Sand. Die DDR war eine grobkörnigere, rubbeligere Angelegenheit. Wir fuhren zwar statt in zwei Tagen in nur fünf Stunden dorthin, machten aber immer noch Rast bei meiner fränkischen Tante, der Vorbotin des Seltsamen. Und danach ging es erst richtig los: Wir hielten ständig, etwas Aufregendes musste noch hier und dort erledigt werden, meine Eltern drehten sich häufig nach uns um und suchten irgendwas auf dem Rücksitz.
Durch das vordere Fenster sah ich das große Frankenhotel auf uns zurollen und freute mich. Es war ja so witzig alles!
Jetzt durften wir nochmal aufs Klo und zum letzten Mal Sächsisch imitieren und dann, schnell!, den Stern wegschmeißen, und ich wusste, wir fahren jetzt auf die GRENZE zu.

Die überwiegenden Farben an der Grenze waren Grün und Braun, und eine Art brauner Block lag plötzlich in der Luft, der Ostblock, der eckig über den Dächern der Grenzposten hing und eine Vorahnung von den herrlichen Schwaden war, die über dem Land schweben würden, in das wir jetzt fuhren. Ganz seltsam, mitten auf dem Dorf und zwischen weichem Zittergras würde wieder unsichtbar diese braune Luft stehen. Ich erinnerte mich daran und freute mich darauf. Auch in dem Pfarrhaus, zu dem wir fuhren, roch es komisch: nach Braunkohle und Moder, aber auch nach dem leckeren eckigen Blechkuchen aus der DDR. Ich freute mich ja so!

Ich freute mich und freute mich, aber wir kamen nicht voran, nur stückchenweise durfte unser Auto weiterfahren, und außerdem mussten wir leise sein und durften keine Hörspiele mehr hören, weil mein Vater jetzt meist schlecht gelaunt und hochkonzentriert war. Und immer sagte meine Mutter an dieser Stelle, dass wir wohl doch besser den Grenzübergang Hirschberg genommen hätten.

Plötzlich kamen zwei Zöllner auf uns zu, endlich! Sie waren ganz nett eigentlich, fand ich, wir alle waren, glaube ich, erleichtert. Reden durften wir ja nichts. Dann machten sie den Kofferraum auf, holten alles raus, was da war, alle Koffer und jeden Quatsch, Waschbeutel und Föhne, die wir noch irgendwo dazwischengestopft hatten. Sie öffneten die Koffer und fanden eine Schachtel mit einem Spiel: „Gefährliches Geröll“.
„Gefährlisches Geröll“, sagte der eine Grenzbeamte bedeutungsschwanger zum anderen. Der nahm ihm die Schachtel aus der Hand und ging damit zum Zollhäuschen. Der Erste folgte ihm unauffällig.
Nach etwa einer Dreiviertelstunde kamen sie  zurück, und wir durften weiterfahren.

Von jetzt ab war alles fröhlich und leicht, wir rollten in die DDR und lachten alle laut und hysterisch, weil wir so lange nichts gesagt hatten. Bäume standen links und rechts der Straße, überall Bäume und ein Flüsschen, und dazu das Grau der Häuser und der vertraut merkwürdige Geruch und die hohen Strommasten. Wenn wir durch Dörfer fuhren, holperten wir laut über die gepflasterten Straßen, an schwarz gedeckten Häusern vorbei und an Frauen und Kindern in Neonfarben, die überrascht stehen blieben, sobald sie uns sahen.

In S. standen plötzlich fünf Leute vor einem Gartentor, und ein Hund kam auf uns zugesprungen und bellte sich die Seele aus dem Leib: der liebe Golf, der Collie unserer Freunde! Wir fielen uns alle um den Hals, und B. und ich planten sofort zusammen die nächsten fünf Tage: ein Gartenfest und ein Theaterstück, Handpuppen basteln und ein Picknick.

Aber gleich am nächsten Tag musste unsere Familie zum Rat des Kreises nach Saalfeld, das trennte uns wieder und machte mich wahnsinnig wütend. Wir hatten so wenig Zeit zusammen und ich hatte so wenig Lust dazu. Ich fühlte mich so anders als B. deswegen, wieso musste sie denn nicht da hin? Sie durfte nicht einmal!

Da saßen wir also nun in einem grünen Linoleumgang, und meine Mutter freute sich darüber, dass sie jemanden schwäbisch reden gehört hatte oder badisch oder berlinerisch, aber mir war das egal, es dauerte einfach viel zu lang und war so düster und trostlos hier. Wir rückten die Wand entlang näher an ein Zimmer heran, das am Ende des Ganges lag. Aschenbecher zeigten uns an, wie weit wir schon gekommen waren.
Auch als ich schon lesen konnte, war das kein Vorteil, denn an den Wänden hingen nur die allerlangweiligsten Aushänge und Plakate, die man sich vorstellen kann, so grauenhaft langweilig, dass sie sich jedem gedanklichen Zugriff entziehen. Ich kann mir nicht einmal im Entferntesten etwas vorstellen oder gar ausdenken, das ähnlich langweilig wäre.
Am Ende dieses Ödnisexzesses lag der Raum, den alle dreihundert Leute früher oder später erreichen mussten. Dort bekamen wir Stempel in unsere Pässe gedrückt und durften sofort wieder gehen.

Nur einmal gab es einen kleinen Zwischenfall. An der Wand hinter den Sperrholztischen hing ein großes Bild von Erich Honecker vor knallblauem Himmel. Meine Schwester sah es sich lange an und sagte dann laut und verwundert:
“Der sieht ja gar nicht so böse aus!“
Es passierte aber nichts weiter, und wir kamen auch diesmal wieder unbeschadet zu unseren Freunden nach S. zurück.

Wenn wir nach fünf Tagen wieder nach Hause fuhren, war ich immer traurig und enttäuscht. B. war gegen Ende immer seltsam kühl zu mir, wir stritten uns über jeden Scheiß, und ich fühlte mich ihr moralisch unterlegen, weil ich mich nicht so für Politik interessierte. Aber das war glaube ich erst später, als wir schon größer waren.

Bei diesem Besuch hatte ich einen Marsmenschen aus Mullbinden gebastelt, den man als Handpuppe benutzen konnte, und war deshalb gut gelaunt und fröhlich trotz unseres Abschieds und freute mich auf zu Hause.
Auf der Rückfahrt kontrollierten uns die Zöllner normalerweise nicht so streng wie auf dem Hinweg. Aber diesmal waren sie über irgendetwas wütend und rissen alle Sachen aus dem Kofferraum, durchwühlten die Koffer mit meinem Marsmenschen, schleuderten ihn auf den Boden und zerbrachen ihm die Antenne. Da heulte ich zu guter Letzt dann doch noch wie ein Schlosshund.

 

Posted in Uncategorized | Leave a comment

Witze für Medi & Zini

Wusstet ihr, dass Medi & Zini für jeden abgedruckten Witz 20 Euro Cash bar auf die Hand zahlen? No kidding. Die reine Gelddruckmaschine. Seit ich das in Erfahrung gebracht habe, läuft die Witzeproduktion hier natürlich auf Hochtouren. Könnt ihr euch ja vielleicht vorstellen.
Damit ihr nicht so lange auf die neue Ausgabe von Medi & Zini warten müsst, haben wir uns dazu entschlossen, vorab ein paar unserer besten Witze preiszugeben. Aber nicht klauen, gell! Alle hier veröffentlichten Witze sind schon durchs Qualitätsmanagement gegangen, d. h., sie wurden von meiner Tochter Suri* (5) geprüft und für witzig befunden.

Also, los gehts!

Treffen sich zwei Gurken. Sagt die eine zur anderen:
“Sollen wir ein bisschen rumgurken?”

Treffen sich zwei Eier. Sagt das eine zum anderen:
“Sollen wir ein bisschen rumeiern?”

Treffen sich zwei Käse.
Sagt der eine: “Das ist doch Käse! Hallo Käse, wie gehts?”
Sagt der andere: “Mir stinkts!”

Ein Mähdrescher hat sein Gedächtnis verloren. Er steht auf der Wiese und weiß nicht mehr, was er tun wollte. Da trifft er ein Schaf.
Fragt der Mähdrescher: “Was soll ich nur tun?”
Sagt das Schaf: “Mäh!”

Wie nennt man eine kleine Kuh, die Zwetschgen mag?
(nehcukneghcstewZ))

Wie nennt man ein Einhorn, das klettern kann?
(nehcnröhniE)

Wie nennt man eine Fee, die zum Frühstück kommt?
(eeffaK)

Treffen sich zwei Hintern. Sagt der eine zum anderen: “Guten Kack!”

Fragt ein Klo das zweite: “Was ist denn dein Lieblingsbuch?”
Sagt das andere: “Pipi Langstrumpf!”

Treffen sich zwei Klos. Sagt das eine zum anderen:
“Wie siehts du denn aus? Was ist denn klos …?”

Wie nennt man ein Klo, das fahren kann?
(subolK)

Wohin geht ein Klo, wenn es seine Ruhe haben will?
(retsolK snI)

Wie heißt ein Hintern, den man an die Wand hängen kann?
(retsoP)

Wie nennt man den Zwillingsbruder vom Klo?
(nolK)

***

Ich soll euch übrigens von Volkshild** ausrichten, dass ihr bitte auch euren Kindern die Witze vorlesen sollt!

Viele Grüße aus dem Hause derer zu Ursulinskaja.

strauss2
Auf diesem Bild stimmt etwas nicht. Wisst ihr, was es ist? Die Lösung findet ihr ein Stück weiter unten.
*Name geändert.
**Name erneut geändert.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

suddeutschlandreise-073
Auflösung des Bilderrätsels: Der Rothalsstrauß Franz Josef lebt und arbeitet in der Stuttgarter Wilhelma.
Foto: Ursulinskaja, 2010.

 

 

Posted in Uncategorized | 4 Comments

Loungige Blöcke

loungige blöcke lounge 1 (Large)
Das Hier und Jetzt: eine Raum-Zeit-Koordinate, die Ruhe ausstrahlt. Momentaufnahme in der DB Lounge, Metzingen.

Ursulinskaja hat immer noch Bock auf Blog, denkt allerdings über eine dramatische Neuausrichtung ihrer Firmenphilosophie nach. “Geld muss fließen”, panta rhei, das galt schon bei den alten Etruskern und ist heute, im Zeitalter der Digitalisierung, aktueller denn je.
Lebenslanges Lernen und eine konstante persönliche Weiterentwicklung sind mittlerweile in allen Branchen unabdingbar. Alle sieben Jahre werden die Zellen des Körpers vollständig ausgetauscht: Ein neuer Mensch entsteht. Zähne, Haare, Ohren und Nase erstrahlen in neuem Glanz. Wir reiben uns die Augen, gähnen und strecken uns, machen vielleicht Yoga, Aqua Fitness oder Nordic Walking.
Alles ist im Fluss und wuselt wie wild durcheinander. Sterne kollidieren, Rausch, Ekstase, Kreativität und Innovation sind die Folge. Start-ups werden gegründet und zerfallen wieder, Supernovas werden zu schwarzen Löchern, aus denen wiederum neue Supernovas hervorgehen, etc. pp. Es ist ein ständiges Kommen und Gehen.

***

Wesentlich entspannter geht es in der DB Lounge der Outletcity Metzingen zu. Vier Playmobil-Ladys haben es sich hier in der stylischen Sitzlandschaft bequem gemacht. Die Stimmung ist ausgelassen, man trinkt Prosecco aus winzigen Gläschen, dazu werden Schokocrossies herumgereicht.
Die lustige Runde war gerade auf einem Junggesellinnenabschied in Waiblingen, wie sie dem Reporter des Reisemagazins Mobil vergnügt erzählt. Auf dem Rückweg über Stuttgart, Ulm und Biberach, Meckerlesbeuerles und Durlesbach* seien sie dann hier am Bahnhof Metzingen hängen geblieben. Die Möbel im Retro-Design, mit denen man auch Mengenlehre üben kann, hätten ihnen auf Anhieb “supergut” gefallen, erzählt eine der sympathischen Mittvierzigerinnen fröhlich.

Mobil: Sind die Damen heute zum ersten Mal hier in der Outletcity?
Lady 1: Ja, aber bestimmt net ‘s letzschde Mol!
Lady 2: Metzingaaaaa!!!
Lady 3: Mir wolltet eigentlich mit dem RE 4038 nach Albstadt …
Lady 4: … aber der Zug isch abgfahre! (Lacht.)
Mobil: Und was machen Sie jetzt?
Lady 4: Wisse mer net.
Lady 3: Jetz bleibet mer halt do!
Mobil: Für immer?
Lady 3: Ha, für immer vielleicht net.
Lady 2: Aber halt solang mer Luschd hen …
Lady 1: … oder zumindeschd, bis Schtuttgart 21 ferdig isch! (Prustet los.)
Lady 4: … OND DES KÄÄ NO DAURE!!! (Prustet ebenfalls los.)
Lady 1-4: HAHAHAHAHAHAHAHAHAHAHA!
(Die vier Businessladies erheben ihre Proseccos. Klack, klack, klickerdi-klack, klingen die kleinen Gläschen.)

katze kreiselkopf
Verschollenes Gemälde: “Die Katze” von M. C. Escher.

Ich wünsche meinen lieben Lesern noch eine tolle Woche!

Love & Peace,
Ursulinskaja

mengenlehre
“Macht Mengenlehre krank?” Der Spiegel 13/1974.
*Sicher kommt es jetzt zu einem enormen Traffic auf dieser Seite, weil internetweit nur 1 x die korrekte Schreibweise von Meckerlesbeuerles zu finden ist – und zwar hier!
Posted in Uncategorized | 2 Comments