Krampf und Ekstase

“Malen, es muss raus, lass es raus, die Farben schießen aus mir wie aus einem Penis, Farbe trifft auf Leinwand (…),  ich spüre keinen Schmerz mehr, es fließt durch mich hindurch, ich habe keinen Einfluss mehr auf das Geschehen (…). Gegen Abend falle ich erschöpft zu Boden, ich habe drei Flaschen Wein getrunken und ansonsten nichts getan als zu malen (…) Eine große Zufriedenheit überströmt mich. Das Bild ist in einem saftigen Grün gehalten, das Wiesen und Natur symbolisieren soll. In der Mitte steht ein altes Reetdachhaus mit schönen Butzenfenstern. Das eine ist geöffnet und eine Oma und ein Opa lehnen sich heraus (…). Der Opa raucht eine Meerschaumpfeife …”

Rocko Schamoni: “Risiko des Ruhms” (2000)

Nachdem sich bisher leider noch kein kommerzieller Erfolg für meinen Blog eingestellt hat, soll nun heute Krampf und Ekstase im künstlerischen Schaffensprozess mein Thema sein. (Ich arbeite nebenher noch an einem anderen Text, den ich dann vielleicht mal irgendwann zwischenreinschiebe, wo es um Läuseshampoos gehen soll, Hashtag mywonderfullittlefamily.)

Dumdi, dumdi, dumid, dumdi, du …
Also, die ursprüngliche Idee für URSULINSKAJA war ja, mal die ganzen alten Texte aus meiner Schublade rauszuhauen, um damit Verkrampfungen zu lösen und so einer gewissen Befreiung Vorschub zu leisten. Ganz ähnlich wie das Mädchen in einem meiner Lieblingskinderbücher, “Felix Fehlerlos”, das seiner Freundin jeden Tag ein Wort aus seinem Tagebuch vorliest.
(Als sie damit fertig ist, rennt ihre Freundin aus dem Haus. “Wo willst du hin?”, ruft sie ihr hinterher. “ES ALLEN ERZÄHLEN!!!”)

Vielleicht also doch erst mal zur Auflockerung ein kleines schwäbisches Palindrom.

Osten, der Hase tut es! – Ah, red net so!

Das Schöne an Palindromen ist ja, dass man ihnen zuliebe die Realität immer ziemlich zurechtbiegen muss. Kleine Figuren und manchmal auch ganze Parallelwelten kleben an ihnen (ungefähr wie Nissen). Ihr einziger Zweck ist es, der Rechtfertigung des Palindroms zu dienen. In diesem Fall ist es der ältere Herr aus dem Hause der von Ostens (und damit ein entfernter Verwandter der “Welt”-Kolumnistin Ronja von Rönne), der im Kaminzimmer sitzt. Er schaut erst verärgert von seiner Zeitung auf, nachdem seine Frau ihn zum dritten Mal angesprochen hat.

Eigentlich wollte ich nicht allzu viel Zeit für diesen Blog verwenden, aber ich merke, ich verliere mich. Ekstase ergreift mich am Hinterkopf, kleine Reetdachhäuschen quellen aus mir heraus und wollen mit ihren schmunzelnden Opas winken. Ich bin gespalten zwischen der Versuchung, den kreativen Prozess fortzuführen, und der Notwendigkeit, hier einen Punkt zu machen.

Gnug Erregung!

Eure Ursulinskaja

 

 

 

 

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