Heute: Fragmente aus Ursulinskajas Frühwerk

„Gerade das Unpräzise und leicht Verworrene ihrer Gedanken entwickelt einen ganz eigenen Sog, dem man sich nur schwer entziehen kann.“ (Stern)

„Mir kannst du nichts vormachen“, sagte der Guru. „Ich bepinsele meine laubgesägten, gelöteten Herzen lieber selber.“

Tiere dürfen nicht herein, allerhöchstens Enten. Aber immer nur zwei und zwei, und gut festhalten! So ist’s schön, Sebastian und Friederike da hinten, ihr bitte auch zuhören! Und könnt ihr euch bitte an den Händen fassen!

Schwierig ist es auch, Beutelhörner und Krummhörnchen aufzureihen auf einer Wäscheleine, ihnen dabei zuzusehen, wie sie sich ohne Unterlass gegenseitig die Nasen berühren, ihre Wangen aneinanderreiben, sich knuffen und kaputtlachen. So bezaubernd!

Es ist offensichtlich, dass Maulwürfe hier gespielt haben. Man kann die Spuren ihrer kleinen Öhrchen noch sehen, ihre Schweineschnäuzchen finden sich als Abdrücke im Sand: zwei winzige Erhebungen in einem Krater, dort, wo die Nasenlöcher waren.

Der Falter war noch ganz jung, er hatte schon fertig ausgebildete Zehen. Ich mag es, wenn sie auf meiner Hand stehen und das Gewicht vorsichtig von einem Fuß auf den anderen verlagern.

Ich grinse verschämt, wie ein Bürgermeister beim Richtfest, bevor er seine humoristische Rede hält, die er tagelang vorbereitet hat und von der er insgeheim weiß, dass sie einschlagen wird wie eine Bombe.

Taranteln schmusen bis zum Sonnenuntergang. Sie drücken ihre Brustkörbe gegeneinander wie Menschen, während sie der Kälte einer Gewerkschaftskundgebung trotzen. Sie wärmen sich, wickeln ihre zu langen Schals solidarisch um die Hälse ihrer frierenden Nachbarn. Sie haben Knopfäuglein und sind ganz umgängliche Gesellen, ganz und gar nicht so, wie wir uns das gemeinhin vorstellen.

Der Dortmunder Schiedsrichter behält seinen Astralleib für sich.

Das Gepäck ist voller Käsesorten, die sich ihren Weg in die Kabine hineinstinken. Unserem jungen Reisenden ist anzusehen, wie unangenehm ihm die ganze Angelegenheit ist, aber was soll er tun? So versucht er, von seinen Füßen abzulenken, von dem im Raum stehenden Gedanken, es könnte mit ihnen zu tun haben.

Keiner kann Kaleidoskope so gut imitieren wie der Onkel des Bierkutschers, Jens-Ludwig: ein lebendes Kaleidoskop aus Fleischwurst.

Kleine Schweine bilden ein Spalier. Ihnen kann keiner was.

Asbest ist der neue Filz.

Bald darauf befindet man sich im globalen Dorf (es heißt so). Eine gerade U-Bahn-Linie führt dort von Ost nach West. Die ersten beiden Stationen heißen Jena und Zona.

Wenn man zum Beispiel Skater sieht und sie unterhalten sich gerade darüber, dass sie coole Jungs sind, und einer meint, er müsse zu Hause noch üben. Solche Dinge also, über die man sich immer Gedanken macht, wenn man Skater sieht – dass sie so cool sind und dass sie ja bestimmt nie zu Hause üben müssen. Wenn Leute also gar nicht so selbstverständlich sie sind, wie ich das annehme, und dieser Moment offenbart sich genau dann, wenn ich an ihnen vorbeilaufe.

„Ey, du kommst mir irgendwie bekannt vor … Kenn ich dich irgendwoher?
“Ich bin der Sänger von Tocotronic.“
“Meinste? Hey, ich könnte schwören, ich hab dich schon mal irgendwo gesehen. Im Kino!“
“Glaub ich nicht.“
“Doch. Kennste Leonardo DiCaprio? Der!“
“So ’n Quatsch.“
„Doch, Mann. Du bist Leonardo DiCaprio!“
“Nee, hör auf.“
“Mann, es macht echt keinen Spaß, sich mit dir zu unterhalten. Tschüs, und schöne Grüße an dein Filmteam!“

Während die Kuckuckseier sie umschwebten und das Lächerliche ihres mangelhaften Popkulturwissens ganz eklatant hervortrat, während sich herausstellte, dass sie weder besonders politisch versiert noch mathematisch-naturwissenschaftlich begabt war, stellte sich dennoch eine Erleichterung ein, die mit nichts zu vergleichen war. Und der Mond stand still, und das Gewebe leuchtete.

„Weißt du eigentlich, warum Himmell mit zwei L geschrieben wird?“
„Ä-ä?“
„Damit der Mensch nie vergisst, dass alles Schöne doppelt kommt: einmal in der Mitte und einmal am Ende.“
„Und wie sieht’s mit Höllemm aus?“
“Das ist was völlig anderes, Mann! Das verstehst du nicht.”

Eine Gruppe von fünf Leuten, die völlig normal sind bis auf je eine merkwürdige Eigenschaft. Eine kriegt immer fettige Haare von der Spitze her. Einer kann nicht ins Internet (geht nicht). Einer weiß mit dem Wort „Geburtstag“ nichts anzufangen (er überspielt es gekonnt und kommt trotzdem gern zu Einladungen).

„Also, was mich betrifft – ich wär jetzt tot.“ (Romanende)

Fürze überanstrengen den Gemeinsinn.

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5 Responses to Heute: Fragmente aus Ursulinskajas Frühwerk

  1. jcsahnwaldt says:

    Den Sänger von Tocotronic hab ich mal im Kino gesehen. Er stand mit ein paar Freunden vor Saal 8 und trug Docs.

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  2. Und ich war mal mit einem von Tocotronic in einem Yoga-Kurs, aber ich glaube es war nicht der Sänger.

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