Abgefahrene Story zum Jahreswechsel

“I grieg scho langsams Ziddra, so viel isch gared los,
dass mr emmr was zom Verzähla hod.”

(Schwoißfuaß)

Seit im RBB neulich ein Beitrag über die quirlige Berliner Bloggerszene lief, werde ich von Fans häufig an meiner markanten, leicht verruchten Stimme erkannt. Ich habe sie zwar nach der Sendung bewusst bei einem Audiochirurgen verzerren lassen. Das charakteristische Knarzen kommt aber anscheinend immer noch durch.

Vor ein paar Tagen sprach mich also wieder mal ein Follower an. Ich war gerade an der Tanke und schaute einem Fremden dabei zu, wie er meinen Ferrari betankte. Er trug einen Arbeitskittel mit einer Shell-Muschel hinten drauf – offensichtlich ein Angestellter der Tankstelle. Ich war völlig fasziniert von seinen schlafwandlerisch sicheren Bewegungen. Er schien sich mit Autos sehr gut auszukennen. Ich selbst habe zwar keinen Führerschein, habe mir mit dem Ferrari aber einen Kindheitstraum erfüllt. Ermöglicht wurde dies durch meine ersten Werbeeinnahmen bei Ursulinskaja (der Kunde ist leider inzwischen abgesprungen).

Während ich also gerade an der Kasse stand und nach H-Milch fragte, brüllte jemand in der Schlange hinter mir begeistert:
“Ursulinskaja!”
Genervt drehte ich mich nach ihm um. Obwohl ich häufig vor dem Spiegel übe, komme ich anscheinend nicht so unnahbar rüber, wie, sagen wir mal, David Bowie.

uschi-langhans-6_psychedelisch_lilaUschy mit einem Fan, ca. 1968.

„Ursulinskaja, alte Bloggopädin! Schon irgendeine Idee für deine nächste Kolumne?“, fragte der Fan.
Bis eben hatte ich noch keine gehabt, aber …
„… jetzt schon!“, sagte ich schmunzelnd.
„Echt jetze? Und ich bin live dabei! Wow! Um was soll’s denn gehen?“
In mir arbeitete es auf Hochtouren. Jetzt war ich 100 % im Kreativmodus.
Das war’s, das war die Idee: Ich würde einfach über meine Begegnung mit diesem Fan hier schreiben. Wie er mich angesprochen hatte, und wie es mir dann siedendheiß eingefallen war, dass ich über ihn schreiben würde. Wie ich ihm davon erzählte, und was er darauf antwortete. Das würde dann genau diesen krassen Teleskop-Effekt (Geschichte-in-der-Geschichte-Raum-in-Raum-etc.) ergeben, den meine Leser zu Recht von mir erwarten.
“Da verspult es deine Leser ja dann total!”, sagte der Fan dann auch erwartungsgemäß.
“Ist mir bewusst.”
“Mann, krass! Wie macht man so was?”
“Ach, kein Ding. Fantasy musste eben haben, und ein bisschen Glück. Grüße an dieser Stelle von Uschy von der Basteleyen.“
Der Fan notierte sich alles in sein Handy.

„Und sonst? Irgendwelche Anlagetipps für 2017?“, wollte er dann noch wissen.
“Easy. Die Märkte regeln das, die sind robust”, sagte ich sphinxhaft.
“Und das sollte man als Anleger auch sein. Ich vergleiche das immer gern mit dem Surfen: Wer das Auf und Ab der freien Märkte nicht abkann, ist besser mit einem Sparbuch bedient.”
„Supertipp, hab’s mir grade schon selbst als SMS geschickt“, sagte der Fan. „Und wie sieht’s mit der Steuer aus?“
Jetzt war ich voll in meinem Element.
“Anlage KAP beifügen, wenn Sie Einkünfte aus Kapitalvermögen haben!“, antwortete ich wie aus der Pistole geschossen.
„Ursulinskaja, you are simply the best“, sagte der Fan dankbar.

Draußen hatte sich inzwischen ein Filmteam aufgebaut. Soweit ich das überblicken konnte, hatte es nichts mit mir zu tun. Männermodels in legeren Klamotten rissen enthusiastisch die Schläuche aus den Zapfsäulen und bespritzten sich gegenseitig mit Benzin – vermutlich der Dreh zu irgendeinem Werbeclip. Ich schaute mich um. Außer mir befand sich plötzlich niemand mehr im Laden. Auch mein Follower war mit einem Mal verschwunden. Schweren Herzens verließ auch ich diesen Ort, der für einen kurzen Moment zwei Leben zusammengeführt und das vibrierende Zentrum dieser kleinen Geschichte gebildet hatte. Den Ferrari ließ ich der Einfachheit halber stehen.

***

 Departed story at the end of the year

“I’m lying down slowly Ziddra, so much is cooked,
that’s just what’s in the galley. ”
(Schwoißfuaß)

Since the RBB recently ran a post about the lively Berlin blogger scene, fans often tell me about my distinctive, slightly insane voice. Although I have deliberately distorted it after the broadcast at an audio surgeon, the characteristic creaking seems to be still going on.

A few days ago I was contacted by a follower again. I was just at the gas station watching a stranger gas my Ferrari. He was wearing a smock with a shell shell on the back – obviously an employee at the gas station. I was completely fascinated by his sleepwalking sure movements. He seemed to know cars very well. Although I have no driver’s license, I have met with the Ferrari but a childhood dream. This was made possible by my first advertising revenue at Ursulinskaja (the customer has unfortunately jumped off now).

So while I was standing at the cash register and asking for milk, somebody in the queue behind me roared with enthusiasm:
“Ursulinskaja!”
Annoyed, I turned to face him. Although I often practice in front of the mirror, I do not seem to come across as unapproachable as, say, David Bowie.

“Ursulinskaja, old bloggoddess! Any idea for your next column? “The fan asked.
I had not had one yet, but …
“… already!”, I said with a smile.
“Really nice? And I’m live! Wow! What is it all about? ”
It worked at full speed in me. Now I was 100% in creative mode.
That’s it, that was the idea: I would just write about my encounter with this fan here. How he had addressed me, and how it had come to my heart that I would write about him. How I told him about it, and what he answered. That would then give exactly this crass telescope effect (story-in-the-story-room-in-room-etc.) that my readers rightly expect of me.
“It will make your readers really crazy!” The fan said as expected.
“I am aware of that.”
“Man, blatant! How do you do that?”
“Oh, not a thing, fantasy had to have just, and a little luck. Greetings at this point from Uschy of the Basteleyen.”
The fan recorded everything in his cell phone.

“And otherwise? Any investment tips for 2017? “, He wanted to know then.
“Easy, markets fix that, they’re tough,” I said with a sphinx.
“And you should be as an investor as well. I like to compare this with surfing: Who can not abate the ups and downs of free markets is better served with a savings account. ”
“Supertipp, just sent it to me by SMS,” said the fan. “And what about the tax?”
Now I was in my element.
“Attach Enclosure KAP if you have income from capital!” I replied as shot from the gun.
“Ursulinskaya, you are simply the best,” said the fan gratefully.

Outside, a film crew had built up in the meantime. As far as I could tell, it had nothing to do with me. Men’s models in casual clothes enthusiastically tore the hoses out of the gas pumps and sprayed each other with gasoline – presumably the turn of some advertising clip. I looked around. No one else was in the store except me. My follower was gone too. With a heavy heart, I also left this place, which for a brief moment had brought two lives together and formed the vibrant center of this little story. I left the Ferrari for the sake of simplicity.

 

 

 

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7 Responses to Abgefahrene Story zum Jahreswechsel

  1. annakalina says:

    Sehr gut, endlich werden hier mal die facts auf den tisch gelegt, das steigert natürlich den shareholder value der unternehmensmarke ursulinskaja.tm.

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  2. ursulinskaja says:

    Das wird ein famoses Jahr für den Uschy-Floater. Read my lips.

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  3. annakalina says:

    Got it! Ich halte mich bereit für den Zinsswap.

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  4. Sweet Holunderberryjuice says:

    Uh, uh – auf jeden Fall FAMOUS muss ich beipflichten und dann hab ich noch die Idee mit der Raum-in-Raum-Zeit-in-Zeit, etc. ich als alter Follower bin ja inzwischen schon mitten im Jahr 2017, obwohl es erst Februar oder so gewesen war.

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  5. Pingback: Hackfleischbrot und dufte Leute | ursulinskaja

  6. Pingback: Abgefahrene Story, Part II | Ursulinskaja

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