Siegerehrung (später)

“Ein bisschen ein Gschmäckle hat die Sache ja schon”, sagte Justitia Sönderlin*, Praktikantin in unserer Rechtsabteilung, heute Morgen bei unserer Skypekonferenz. (Die Rechtsabteilung von Ursulinskaja ist aus steuerrechtlichen Gründen in Liechtenstein angesiedelt. Wir telefonieren aber fast täglich.) Es ging – mal wieder – um das leidige Thema unseres Preisausschreibens und die Ermittlung eines rechtskräftigen Gewinners.
Seit zwei Wochen etwa sind wir jetzt dran an der Sache.
“Gschmäckle-Popäckle”, schleuderte ich ihr gewohnt businessmäßig entgegen.
“Was sagt das BGB? Das ist das Einzige, was mich momentan interessiert.”
“Die Gesetzeslage ist nicht eindeutig …”
“POBÄCKLE! POBÄCKLE! Du hast gerade POBÄCKLE gesagt!”, brüllte meine kleine Tochter derweil im Hintergrund. Der ganz normale Alltagswahnsinn eben, den die Doppelbelastung als Bloggerin und Mutter so mit sich bringt. Muss ich euch wahrscheinlich nicht erzählen.
“Und es scheint auch keinen Präzedenzfall zu geben …”

“… will heißen, keinen Fall, in dem der einzige Teilnehmer bei einem Preisausschreiben zuvor auf Facebook als Mitarbeiter für den Thinktank des den Preis ausschreibenden Unternehmens angeworben wurde?”
“Richtig”, sagte Justitia. “Meine Googlesuche jedenfalls ergab null Treffer zum Thema.”
“Und wie siehts auf Bing aus?”
“Negativ.”
“Justitia, Justitia.” Ich schüttelte dramatisch den Kopf. “Die Sache gefällt mir gar nicht.”
“Ich weiß, was du meinst**”, sagte die angehende Juristin mitfühlend. “Es ist wegen der Sache mit dem <großen Windelhersteller>, nicht wahr?”
“Papperlapapp!”, erwiderte ich verletzt.
Justitia spielte damit auf eine nicht allzu weit zurückliegende Erfahrung mit einem <großen Windelhersteller> an. Dieser war uns als Werbekunde kurzfristig abgesprungen. Begründung (ich zitiere):

“… scheint mir die Professionalität Ihres Blogs bei eingängiger Prüfung nicht dem zu entsprechen, das wir als <großer Windelhersteller> von unseren Kooperationspartnern gewohnt sind.”

Unprofessionell. Ein Urteil, das sich wie eine Angelrute in mein Herz gebohrt hatte und seither in mir steckte wie ein Widerhaken. Nie mehr, so hatte ich mir geschworen, sollte jemand dies mit Recht über mein kleines, aber feines Unternehmen sagen können. Daher die eilig aus dem Boden gestampfte Rechtsabteilung; daher der einheitliche Briefkopf, das erste eigene Handy – in Windeseile in einem Neuköllner Handyladen als Bausatz erstanden und noch auf dem Gehweg davor schnell zusammengefummelt. 

Würde eine vorschnelle Entscheidung über den Sieger unseres Preisausschreibens diese gerade erst wiedergewonnene Würde (zweimal Würde … egal) und Professionalität nicht erneut infrage stellen …?

Bleibt bitte dran, wenn es bald heißt: Die Siegerehrung – aber echt jetze!

pickel
Ohne Titel.
*Justitia Sönderlin ist die Enkeltochter unserer Gastkolumnistin Erika “Earth” Schmitz-Sönderlin und die Großnichte der Dramatikerin Petra Zeterosch-Sönderlin.
**Wir bei Ursulinskaja sind durchweg per Du, durch alle Ebenen und Gehaltsstufen hindurch. Ist doch logisch.
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3 Responses to Siegerehrung (später)

  1. Pingback: Der Gewinner unseres Preisausschreibens | ursulinskaja

  2. jcsahnwaldt says:

    Ist ja alles ganz nett und hübsch, aber ich wusste gar nicht, dass ich Mitarbeiter des Ursulinskaja-Thinktanks bin. Stasimethoden sind das hier! Schöne Grüße von “IM Widerwille”!

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